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Scheyern


Vorwort

„Was wir gehört und erfahren, Was uns die Väter erzählt,
Die Ruhmestaten und die Stärke des Herrn, Das wollen wir
dem kommenden Geschlecht erzählen! “
(Ps 78, 3)

Im Jahre 1927 erschien das volkstümliche Bändchen „Scheyern einst und jetzt“, verfaßt von P. Laurentius Hanser. Im Vorwort weist der Verfasser darauf hin, daß er beabsichtige, unter anderem auch „Beiträge zur Familiengeschichte der Pfarrei Scheyern“ herauszugeben. Leider starb er bereits 1929.

Seitdem sind über 60 Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben vor allem P. Beda Parzinger und P. Bernhard Walcher das Anliegen von P. Laurentius aufgegriffen, nämlich eine umfassende Familiengeschichte der Pfarrei Scheyern zu verfassen. Aber durch die Ungunst der Zeit konnten sie nur Einzeluntersuchungen anstellen, die jedoch von großem Wert sind und bei der Abfassung des vorliegenden Werkes auch benützt wurden.

Bei der Behandlung unseres Themas sind wir in der glücklichen und seltenen Lage, daß das vorhandene Quellenmaterial vom 12. Jahrhundert an fast lückenlos vorhanden ist. Vor allem sind es die Salbücher, in denen Jahr für Jahr, mit einer bewundernswerten Gewissenhaftigkeit und Gleichförmigkeit, die einzelnen Güter mit ihren Abgaben beschrieben worden sind. Allein diese Bücher zeugen von dem Gerechtigkeitssinn der Mönche des Mittelalters, der eine Voraussetzung ist für den sprichwörtlichen benediktinischen Frieden.

Ein weiterer glücklicher Umstand kann darin erblickt werden, daß gerade in den Jahren 1986 und 1988 in der Reihe „Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte“ von Dr. Michael Stephan zwei grundlegende Werke erschienen sind: „Die Traditionen des Klosters Scheyern“ und „Die Urkunden und die ältesten Urbare des Klosters Scheyern“. Die „Traditionen“, d.h. die Schenkungen, sind – nach dem Codex Clm 1052- enthalten bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Die im zweiten Werk beschriebenen Urkunden reichen von 1102 bis 1330, die Urbare von 1210 bis um 1315. Vor allem durch die darin enthaltene genaue zeitliche Abgrenzung der Aussteller und Verfasser sind wir in der Lage, von gesicherten Zeitangaben auszugehen.

Eine wertvolle Hilfe war es weiterhin, daß bereits P. Laurentius Hanser die Transkription einiger wichtiger Quellenwerke besorgt hat. Wesentlich erleichtert wurde die Arbeit auch durch den Umstand, daß bereits um 1600 acht Stiftbücher (K1L Scheyern 91 bis 98) über die Besitzungen des Klosters Scheyern angelegt wurden, welche – wenn auch mit einzelnen Lücken – den Zeitraum von 1500 bis 1803 umfassen. Die Nachprüfung und Ergänzung durch „Querschnitte“ aus den Salbüchern zeigte, daß wir es hier mit einer sehr zuverlässigen Unterlage zu tun haben.

Nicht minder von Bedeutung sind die Pfarrmatrikel, insbesondere die Trauungsbücher, Familienbücher und „Seelenstandsberschreibungen“ (status animarum).

Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang bleiben das „Historische Ortsnamenbuch von Bayern“, für den Landkreis Pfaffenhofen bearbeitet von Friedrich Hilble (München 1983). Es bietet wertvolle Hinweise für die Bedeutung der Ortsnamen und für die gesamte Quellenlage. Diese wurden jedoch kritisch überprüft und teilweise ergänzt.

Die vorliegende Abhandlung ist schon deshalb von Interesse, weil sie die Haus – und Familiengeschichte eines verhältnismäßig umfangreichen Gebietes beschreibt, das über 50 Orte mit etwa 450 alten Anwesen aufweist. Außerdem bildete dieses Gebiet – wenn wir von Niederscheyern absehen -schon seit der Zeit der Grafen von „Schyren“, seit dem 11. und 12. Jahrhundert, territorial eine geschlossene Einheit. In diesem war dann das Kloster bis zur Aufhebung, im Jahre 1803, als Pfarr-Herr, als Gerichts-Herr und Grund-Herr zuständig und wurde von ihm wirtschaftlich und religiös betreut.

Das Werk wäre ohne die wohlwollende und tatkräftige Unterstützung zahlreicher Gönner und Helfer nicht möglich gewesen. Vor allem möchte ich dem Hochwürdigsten Herrn Abt Bernhard Lambert danken, der es von Anfang an umfassend gefördert hat. Herr Dr. Wild, Hauptstaatsarchiv, München, hat sehr viele Hinweise und Anregungen gegeben. Hier sei auch dem gesamten Personal des Hauptstaatsarchivs und Staatsarchivs für freundliche Hilfestellung von Herzen gedankt. Im Hauptstaatsarchiv befinden sich vornehmlich die Salbücher und Urbare, im Staatsarchiv die Briefprotokolle und Kataster.

Besonders möchte ich dem Herrn Bürgermeister Rudolf Reimer, dem Zweiten Bürgermeister Erich Gruber und der ganzen Gemeinde Scheyern ein herzliches Vergelt’s Gott für wohlwollende Aufnahme und finanzielle Unterstützung aussprechen. Herr Erich Gruber hat sich außerdem die Mühe gemacht, die drei Bände nochmals genau durchzusehen.

In den Dank eingeschlossen sind auch alle weiteren Gönner, wie Landkreis und Stadt Pfaffenhofen, und andere Institutionen, die durch Förderung und Spenden einen kostengünstigen Preis ermöglichten. Hier müssen auch der Hochwürdige Herr Pfarrer, P. Engelbert Baumeister, und die Pfarrei genannt werden, welche das neue Kopiergerät bereitstellten und auch sonstige Hilfen boten, was wesentlich zur Verbilligung des Unternehmens beitrug.

Beim Druck und Zusammenlegen der Blätter haben in dankenswerter Weise in wochenlanger Arbeit geholfen die Herren A. Reichhold und Wilfling und die Ministranten Hauf, Neumair, Kreitmeyer, Schober und Seibel.

Um Nachsicht und Verständnis bittet der Schreiber, wenn sich bei den vielen Tausenden von Jahreszahlen und Namen, oder bei der Zusammenlegung der einzelnen Blätter ein Versehen eingeschlichen haben sollte. Auch in der Qualität des Druckes müssen kleine Mängel in Kauf genommen werden.

Möge das Werk auch bei der Bevölkerung von Scheyern und Umgebung, aber auch in der Fachwelt, einen geneigten Leserkreis finden und die Liebe zur Heimat, und insbesondere zu den Ortschaften und Gemeinden um Scheyern fördern.

Scheyern, am Patrozinium der Pfarrkirche dem 15. August 1991

der Verfasser
von Haus – und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern
P. Anselm Reichold OSB

Geleitwort des Hochwürdigen Herrn Abtes Bernhard Lambert
Die nun vorliegenden vier Bände der „Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern“, eine schöne Frucht der unermüdlichen Fleißarbeit unseres Mitbruder p. Anselm Reichhold, zeigen uns, wie eng die Geschichte der einzelnen Dörfer und Anwesen mit der des Klosters verbunden ist. Durch die Jahrhunderte hindurch war die Abtei zum Hl. Kreuz nicht nur das religiöse und kulturelle Zentrum der Pfarrei und Hofmark, sondern als Grundherr und Richter auch verantwortlich für das zeitliche Wohl der „Klosterleute“, Angestellten und Bauern in den verschiedenen Siedlungen der näheren Umgebung. Hoffentlich haben auch sie alle die Erfahrung gemacht, dass „es gut leben ist unter dem Krummstab“. Möge diese Haus- und Familiengeschichte dazu beitragen, dass die jetzigen Bewohner unserer schönen Gemeinde, durch tiefere Kenntnis ihrer Vergangenheit, gestärkt werden in ihrer Liebe und Treue zur Heimat. Mögen sie alle ihren Familien etwas von der „Pax benedictina“, vom benediktinischen Frieden erfahren, indem sie Tag für Tag still und selbstvergessen alles füreinander tun. Mögen alle, die im Schatten unserer Abtei wohnen, erfahren, dass im Kreuz Jesu Christi Segen und Heil liegt!
Bernhard Maria Lambert O.S.B.
Abt von Scheyern
Vorwort

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„Was wir gehört und erfahren, Was uns die Väter erzählt,

Die Ruhmestaten und die Stärke des Herrn, Das wollen wir

dem kommenden Geschlecht erzählen! “

(Ps 78, 3)

Vorwort

Im Jahre 1927 erschien das volkstümliche Bändchen „Scheyern einst und jetzt“, verfaßt von P. Laurentius Hanser. Im Vorwort weist der Verfasser darauf hin, daß er beabsichtige, unter anderem auch „Beiträge zur Familiengeschichte der Pfarrei Scheyern“ herauszugeben. Leider starb er bereits 1929.

Seitdem sind über 60 Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben vor allem P. Beda Parzinger und P. Bernhard Walcher das Anliegen von P. Laurentius aufgegriffen, nämlich eine umfassende Familiengeschichte der Pfarrei Scheyern zu verfassen. Aber durch die Ungunst der Zeit konnten sie nur Einzeluntersuchungen anstellen, die jedoch von großem Wert sind und bei der Abfassung des vorliegenden Werkes auch benützt wurden.

Bei der Behandlung unseres Themas sind wir in der glücklichen und seltenen Lage, daß das vorhandene Quellenmaterial vom 12. Jahrhundert an fast lückenlos vorhanden ist. Vor allem sind es die Salbücher, in denen Jahr für Jahr, mit einer bewundernswerten Gewissenhaftigkeit und Gleichförmigkeit, die einzelnen Güter mit ihren Abgaben beschrieben worden sind. Allein diese Bücher zeugen von dem Gerechtigkeitssinn der Mönche des Mittelalters, der eine Voraussetzung ist für den sprichwörtlichen benediktinischen Frieden.

Ein weiterer glücklicher Umstand kann darin erblickt werden, daß gerade in den Jahren 1986 und 1988 in der Reihe „Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte“ von Dr. Michael Stephan zwei grundlegende Werke erschienen sind: „Die Traditionen des Klosters Scheyern“ und „Die Urkunden und die ältesten Urbare des Klosters Scheyern“. Die „Traditionen“, d.h. die Schenkungen, sind – nach dem Codex Clm 1052- enthalten bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Die im zweiten Werk beschriebenen Urkunden reichen von 1102 bis 1330, die Urbare von 1210 bis um 1315. Vor allem durch die darin enthaltene genaue zeitliche Abgrenzung der Aussteller und Verfasser sind wir in der Lage, von gesicherten Zeitangaben auszugehen.

Eine wertvolle Hilfe war es weiterhin, daß bereits P. Laurentius Hanser die Transkription einiger wichtiger Quellenwerke besorgt hat. Wesentlich erleichtert wurde die Arbeit auch durch den Umstand, daß bereits um 1600 acht Stiftbücher (K1L Scheyern 91 bis 98) über die Besitzungen des Klosters Scheyern angelegt wurden, welche – wenn auch mit einzelnen Lücken – den Zeitraum von 1500 bis 1803 umfassen. Die Nachprüfung und Ergänzung durch „Querschnitte“ aus den Salbüchern zeigte, daß wir es hier mit einer sehr zuverlässigen Unterlage zu tun haben.

Nicht minder von Bedeutung sind die Pfarrmatrikel, insbesondere die Trauungsbücher, Familienbücher und „Seelenstandsberschreibungen“ (status animarum).

Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang bleiben das „Historische Ortsnamenbuch von Bayern“, für den Landkreis Pfaffenhofen bearbeitet von Friedrich Hilble (München 1983). Es bietet wertvolle Hinweise für die Bedeutung der Ortsnamen und für die gesamte Quellenlage. Diese wurden jedoch kritisch überprüft und teilweise ergänzt.

Die vorliegende Abhandlung ist schon deshalb von Interesse, weil sie die Haus – und Familiengeschichte eines verhältnismäßig umfangreichen Gebietes beschreibt, das über 50 Orte mit etwa 450 alten Anwesen aufweist. Außerdem bildete dieses Gebiet – wenn wir von Niederscheyern absehen -schon seit der Zeit der Grafen von „Schyren“, seit dem 11. und 12. Jahrhundert, territorial eine geschlossene Einheit. In diesem war dann das Kloster bis zur Aufhebung, im Jahre 1803, als Pfarr-Herr, als Gerichts-Herr und Grund-Herr zuständig und wurde von ihm wirtschaftlich und religiös betreut.

Das Werk wäre ohne die wohlwollende und tatkräftige Unterstützung zahlreicher Gönner und Helfer nicht möglich gewesen. Vor allem möchte ich dem Hochwürdigsten Herrn Abt Bernhard Lambert danken, der es von Anfang an umfassend gefördert hat. Herr Dr. Wild, Hauptstaatsarchiv, München, hat sehr viele Hinweise und Anregungen gegeben. Hier sei auch dem gesamten Personal des Hauptstaatsarchivs und Staatsarchivs für freundliche Hilfestellung von Herzen gedankt. Im Hauptstaatsarchiv befinden sich vornehmlich die Salbücher und Urbare, im Staatsarchiv die Briefprotokolle und Kataster.

Besonders möchte ich dem Herrn Bürgermeister Rudolf Reimer, dem Zweiten Bürgermeister Erich Gruber und der ganzen Gemeinde Scheyern ein herzliches Vergelt’s Gott für wohlwollende Aufnahme und finanzielle Unterstützung aussprechen. Herr Erich Gruber hat sich außerdem die Mühe gemacht, die drei Bände nochmals genau durchzusehen.

In den Dank eingeschlossen sind auch alle weiteren Gönner, wie Landkreis und Stadt Pfaffenhofen, und andere Institutionen, die durch Förderung und Spenden einen kostengünstigen Preis ermöglichten. Hier müssen auch der Hochwürdige Herr Pfarrer, P. Engelbert Baumeister, und die Pfarrei genannt werden, welche das neue Kopiergerät bereitstellten und auch sonstige Hilfen boten, was wesentlich zur Verbilligung des Unternehmens beitrug.

Beim Druck und Zusammenlegen der Blätter haben in dankenswerter Weise in wochenlanger Arbeit geholfen die Herren A. Reichhold und Wilfling und die Ministranten Hauf, Neumair, Kreitmeyer, Schober und Seibel.

Um Nachsicht und Verständnis bittet der Schreiber, wenn sich bei den vielen Tausenden von Jahreszahlen und Namen, oder bei der Zusammenlegung der einzelnen Blätter ein Versehen eingeschlichen haben sollte. Auch in der Qualität des Druckes müssen kleine Mängel in Kauf genommen werden.

Möge das Werk auch bei der Bevölkerung von Scheyern und Umgebung, aber auch in der Fachwelt, einen geneigten Leserkreis finden und die Liebe zur Heimat, und insbesondere zu den Ortschaften und Gemeinden um Scheyern fördern.

Scheyern, am Patrozinium der Pfarrkirche dem 15. August 1991

der Verfasser
von Haus – und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern
P. Anselm Reichold OSB

Geleitwort des Hochwürdigen Herrn Abtes Bernhard Lambert
Die nun vorliegenden vier Bände der „Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern“, eine schöne Frucht der unermüdlichen Fleißarbeit unseres Mitbruder p. Anselm Reichhold, zeigen uns, wie eng die Geschichte der einzelnen Dörfer und Anwesen mit der des Klosters verbunden ist. Durch die Jahrhunderte hindurch war die Abtei zum Hl. Kreuz nicht nur das religiöse und kulturelle Zentrum der Pfarrei und Hofmark, sondern als Grundherr und Richter auch verantwortlich für das zeitliche Wohl der „Klosterleute“, Angestellten und Bauern in den verschiedenen Siedlungen der näheren Umgebung. Hoffentlich haben auch sie alle die Erfahrung gemacht, dass „es gut leben ist unter dem Krummstab“. Möge diese Haus- und Familiengeschichte dazu beitragen, dass die jetzigen Bewohner unserer schönen Gemeinde, durch tiefere Kenntnis ihrer Vergangenheit, gestärkt werden in ihrer Liebe und Treue zur Heimat. Mögen sie alle ihren Familien etwas von der „Pax benedictina“, vom benediktinischen Frieden erfahren, indem sie Tag für Tag still und selbstvergessen alles füreinander tun. Mögen alle, die im Schatten unserer Abtei wohnen, erfahren, dass im Kreuz Jesu Christi Segen und Heil liegt!
Bernhard Maria Lambert O.S.B.
Abt von Scheyern

Das Kloster Scheyern als Grundherr in der Pfarrei und in der Hofmark Scheyern

1. Geschichtlicher Zusammenhang
Das Kloster Scheyern, dessen Gründung um 1119 erfolgte, hatte der Vorläufer. Die Gräfin Haziga, die Gemahlin des Grafen Otto 1. von Scheyern, hatte bereits um 1077 in Zell, auch Margarethenzell oder Bayrischzell genannt, eine Kirche weihen lassen, und die Stiftung dem Reformkloster Hirsau unterstellt, das dorthin 1.2 Mönche und ebensoviele „Laienbrüder“ sandte.
Wegen der ungünstigen Verhältnisse zogen die Mönche um 1085 nach dem nahe- gelegenen Fischbachau, wo 1087 eine erste Kirche eingeweiht wurde. Sie bauten kurz darauf eine zweite größere Kirche, die sie dem hl. Martin weih- ten, die erste Hirsauer-Kirche auf bayrischen Boden.
Aber durch verschiedene Umstände veranlaßt, wahscheinlich vor allem auf Drängen des Grafen Berthold von Burgeck, zogen sie um 1105 in die Nähe von Dachau auf den nachmaligen Petersberg. Die dort von ihnen erbaute Kirche, eben- falls nach dem Hirsauer Baustil – und mit schönen Fresken ausgemalt – ,ist noch gut in der ursprünglichen Gestalt erhalten.
Schließlich, als alle am Besitz der Burg Scheyern beteiligten Linien ihre Ein- willigung gegeben hatten, konnte der letzte Umzug, um das Jahr 1119. nach Scheyern erfolgen. Die Grafen von Scheyern waren bereits kurz vorher nach Wittelsbach umgezogen und benannten sich von nun an nach ihrem neuen Wohnsitz.
Die päpstliche; Bestätigung der neuen Gründung erfolgte im Jahre 1123. In der entsprechenden Urkunde wird – wie auch in den früheren für Fisch bachau und Petersberg – besonders scharf hervorgehoben, daß der Abt des Klosters selber das Recht habe, einen geeigneten V o g t einzusetzen -und ihn, wenn er sich nicht bewähren sollte, auch wieder abzusetzen. Aber ein Jahr später setzte der Kaiser fest, daß der Pfalzgraf Otto und seine Nachkommen die Rechte eines Vogtes über das Kloster ausüben sollten. Das Kloster mußte sich – wohl oder übel – dem Willen des Kaisers fügen, denn schließlich waren die Vögte, die – Wittelbacher Grafen, auch die Stifter und Wohltäter des Klosters , die es mit reichen Gütern ausgestattet hatten und noch immer beschenkten.
Eine Verbesserung der Lage brachte das Hofmarks – Privileg des Kaisers Ludwig des Bayern, vom 19. April 1315, das dem Kloster das Recht einräumte, einen Richter zu bestellen, und in seiner Hofmark die Niedere Gerichtsbarkeit auszuüben. Diese Hofmark deckte sich im wesentlichen mit der Pfarrei Scheyern. In ihm besaß das Kloster auch einen großen zu- sammenhängenden Grundbesitz.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß dieses Gebiet bereits vor der Gründung des Klosters ein zusammenhängendes Herschaftsgebiet der Scheyerer Grafen dar- stellte, das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch religiös einheitlich von Scheyern betreut wurde. So gibt es in dem verhältnismäßig großen Pfarrbezirk, von etwa 10 Kilometer Länge und 5 Kilometer Breite außer der am Rande liegenden Filialkirche in Niederscheyern, nur die einzige Kirche in Scheyern.
In dem genannten Gebiet war das Kloster Scheyern in dreifacher Beziehung zu- ständig: als Gerichts- Herr in der Hofmark, als Pfarr-Herr in der Pfarrei und als Grund-Herr über die dem Kloster Übereigneten Anwesen.
2. Die Lehensherrschaft
Vor der Säkularisation, im Jahre 1803, war das Kloster Scheyern innerhalb des Gebietes der Pfarrei Eigenümer von etwa 265 Anwesen, deren Inhaber im rechtlichen Sinn nur Besitzer waren. Sie „saßen“ auf dem Anwesen nur, waren also nur „Insassen“ und „Besitzer“. Es bestand also ein gemischtes Eigen- tumsverhältnis.
Nach der Wiedererrichtung des Klosters, im Jahre 1838, durch König Ludwig 1., erhielt das Kloster zwar den Besitz des Prielhofes zurück, aber das frühere „Eigen- tumsverhältnis“ über Grund und Boden seiner „Grundholden“‚ war verloren gegan- gen. Letztere wurden selbständige Eigentümer.
Die Besitzverhältnisse vor der Säkularisation können wir nur verstehen, wenn wir uns Gedanken machen über die Lehensherrschaft.
Dazu müssen wir zurückgehen in die Zeit der Völkerwanderung. Auch unsere Vor- fahren waren größtenteils eingewandert und haben sich erst mit der Zeit seßhaft gemacht. Schon aus diesem Grund bestand ursprünglich noch keine feste Bindung an den Boden, wie dies heute der Fall ist. Die ursprüngliche Art des Besitzes war das gemeinschaftliche Eigentum des ganzen Stammes, dessen Repräsentant der Herzog, der Stammeshäuptling, war, wie dies auch noch heute bei vielen Naturvölkern der Fall ist.
Der Herzog verlieh dann, sobald die Stämme seßhaft wurden, an seine Vasallen, seine Gefolgsleute, einen Teil von Grund und Boden zur eigenen Bewirtschaftung. Diese hinwiederum verliehen einen Teil davon an die Bauern. Beide Arten von Verleihung geschahen zunächst auf Bewährung. In ähnlicher Weise verlieh der Kaiser seine Herzogtümer.
Diese Verleigung, weiche die Grundlage der Lehensherrschaft bildet, hatte für die damalige Zeit durchaus etwas Sinnvolles. Damit war die Macht, bzw. das Eigentum, geteilt. Die einzelnen Besitzer mußten erst allmählich lernen, verantwortungsbewußt mit dem Besitz umzugehen. Dieser Gedanke ist auch durchaus biblisch, wonach jedes Eigentum ein von Gott verliehenes „Talent“ ist, mit dem der Mensch sinnvoll umgehen muß. Es ist niemals völlig absolut, sondern hat immer auch einen Gemeinschaftsbezug.
Im Verhältnis zwischen dem Kaiser und den Fürsten setzte sich bald eine Ver- leihung auf „Lebenszeit“ ein, was schließlich zu einem formellen Erbrecht wurde. Auf diese Weise hatten die Wittelsbacher die Herrschaft über Bayern von 1180 bis zum Jahre 1918 dauernd inne.
Auch im Verhältnis zwischen den Fürsten und den Adeligen läßt sich dieser Prozeß beobachten. Zwischen den Adeligen, bzw. den kirchlichen Institutionen, und den Bauern zog sich dieser Vorgang etwas länger hin. Rein rechtlich kam es nur in wenigen Fällen zu einem formellen Erbrecht. Aber tatsächlich läßt sich bei den größeren Bauern bereits im 15. Jahrhundert eine selbstverständlich geübte Vererbung vom Vater auf den Sohn, bzw. auf die Tochter, feststellen. Bei den kleineren Gütern läßt sich dies erst im 17. Jahrhundert beobachten. Dieser Prozeß setzte in dem Augenblick ein, als man dazu überging, ein Gut nicht nur auf Bewährung, sondern auf „Lebenszeit“ zu verleihen. Der Grundholde konnte das Gut auf seinen „Leib stiften“. Dies führte von selber dazu, auch auf den „Leib“ eines Nachfolgers, bzw. eines Kindes zu „stiften“. Damit war das faktisch gehandhabte Erbrecht eingeführt.
Nachdem der Besitzer in einer jahrhundertelangen Schule allmählich zu immer größerer Verantwortung im Umgang mit dem Besitz herangebildet war, konnte man ihm auch das volle Eigentum übertragen.
3. Das Kloster Scheyern als Grundherr
Die weit verzweigten Besitzungen an Grund und Boden und an Gütern verschiedener Art, die das Kloster Scheyern vor der Säkularisation besaß, rührten ausschließlich her von Schenkungen, Vertauschungen oder vom käuflichen Erwerb. Vor allem die Mitglieder der Stifterfamilie, Adelige und andere vermögende Leute haben dem Kloster besonders im 12. und 13. Jahrhundert viele Güter geschenkt, wie sie besonders aufgezeichnet sind im „Liber primae fundationis“ (Buch der ersten Gründung, um 1210, Clm 1052). Als Zweck der Schenkung wird fast immer angegeben, daß die Mönche für das Seelenheil der verstorbenen Angehörigen beten.
Allein dieser Umstand führte zu einer übermäßigen Häufung von zusätzlichen Übungen von Gebeten und Gottesdienstfeiern, die neben dem Chorgebet nur mehr wenig Zeit für körperliche und geistige Arbeit übrig ließ.
Ein weiterer Grund der Übereignungen, der besonders den weltlichen Herrschern vor Augen schwebte, war, daß das Kloster seine Leute, die Bauern und sonstigen Grundholden, zu einer geordneten und verantwortungsbewußten Arbeit anleiten sollte. Vom Ertrag aus den verschiedenen Abgaben sollte das Kloster die Gebäude und die Kirche erhalten und ihre Mitglieder ernähren. Indirekt würde dadurch die Steuereinnahme des Staates gehoben werden. Auch sollte das Kloster für die Untergebenen eine Schutzfunktion ausüben und die vielfältigen Verwaltungsausgaben bestreiten, die es als Gerichtsherr hatte.
Die Mönche haben im allgemeinenen sehr einfach und sparsam gelebt. Das wußten auch die Herzöge und haben darum wiederholt das für den Bau der Kirche oder für sonstige wichtige Vorhaben gesparte Geld vom Abte abverlangt und für ihre Zwecke verwendet.
Die Höhe der Abgaben bewegte sich in erträglichen Grenzen. Sie ist, bei sonst gleich bleibenden Verhältnissen im Laufe der Zeit erheblich gesenkt worden. So betrug – um nur ein sprechendes Beispiel zu nennen – die jährliche Abgabe beim „Stepperger“ in Mitterscheyern um 1300 10 Mitl Korn und 10 Mitl Hafer. Bis 18. Jahrhundert erniedrigte sich diese auf 4 Schäffel Korn und 4 Schäffel Hafer. Dabei entspricht 1 Mitl etwa 1 Schäffel. Vergleiche dazu auch den Beitrag im Anhang: Die verschiedenen Abgaben.
Fast alle Anwesen der Pfarrei Scheyern waren auch Grunduntertanen des Klosters. Die auffallendsten Ausnahmen davon waren:

Die Ortschaft Gurnöbach, die zum Pfalz- Neuburgischen Landgericht Reichertshofen gehörte;
die Radlhöfe und 2 Anwesen der Ortschaft Webling, die zum Liefrauenstift abgabenpflichtig waren.
Außer dem geschlossenen Gebiet der Pfarrei, bzw. Hofmark Scheyern, gab es in den Landgerichten Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Aichach, Rain am Lech, Dachau und Bad Aibling etwa 400 Anwesen, deren Grundherr das Kloster Scheyern war. Diese Güter kennzeichnen auch den ursprünglichen Herrschaftsbereich der Wittelsbacher.
Bis um 1600 zählten noch einzeln verstreute Güter in Tirol und „im Gebirge“, bei Reit im Winkl, zu Scheyern. Da aber die Höhe der Abgaben gering war und in keinem Verhältnis stand zu dem Verwaltungsaufwand, der um sie gemacht werden mußte, wurden sie 1598 verkauft (Urkunde vom 21. August 1598). Dafür kaufte man den letzten Teil des Scheyerer Forstes, der noch einem Münchener Bürger, Georg Lindauer, gehörte, um 9 400 Gulden (29. August 1598).
4. Rechtliche Stellung der Grundholden
Die Leute, die vom Kloster irgendwie abhängig waren, umfaßten einen engeren und einen weiteren Kreis.
Den engen Kreis bildeten die Mönche, Patres und Laienbrüder, deren Hauptaufgabe in dem gemeinschaftlichen Chorgebet und in der Feier der Eucharistie bestand.
Der weitere Kreis setzte sich zusammen aus den Klosterleuten, den „Gotteshaus-Leuten“, die in irgendeinem gegenseitigen Treueverhältnis zum Kloster standen. Dieses Verhältnis verpflichtete auf der einen Seite zu Abgaben und Steuern, auf der anderen Seite aber garantierte es das Recht auf den Lebensunterhalt und auf die Fürsorge im Notfall.

Je nach der Art der Bindung unterschied man drei Gruppen:
1. Eigenleute, oder die Leibeigenen. Diese Form war die ursprüngliche. Nicht der Besitzer eines Gutes, sondern eine bestimmte Person war abgabenpflichtig und erhielt dafür als Gegengabe den Schutz des Herrn. Die Leibeigenschaft erinnert an eine Zeit, in der die Völksstämme noch nicht seßhaft waren. Mit der allmählichen Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der stärkeren Bindung an Grund und Boden, verlor sie an Bedeutung. Das Brockhaus-Lexikon schreibt dazu unter dem Stichwort „Leibeigenschaft“: „Im Spätmittelalter konnte die Leibeigenschaft als überlebt gelten; hatte sie doch keinen tragenden wirtschaftlichen Grund ihrer Arbeitsverfassung mehr.“
In Scheyern wurde noch 1427 ein Verzeichnis von Eigenleuten angelegt, die dem besonderen Schutz des Klosters anvertraut waren. In den Salbüchern finden sich nur gelegentliche Hinweise. Das sprechendste Beispiel dafür finden wir in Niederscheyern, wo um 1335 die Sandizeller dem Abt Konrad 10 Leute mit ihren Kindern zum besonderen Schutz anvertrauten. (KL 54, 93)

2. Die Angestellten des Klosters, d.h. die Beamten (Richter, Kämmerer, usw.), die Taglöhner, Dienstboten und Handwerker im Kloster, oder im Prielhof. Diese waren dem Kloster durch einen Dienstvertrag verpflichtet und erhielten eine entsprechende Entlöhnung. Bereits im Salbuch vom Jahre 1413 (KL 78, 74) befindet sich ein ausführliches Verzeichnis über die Reichnisse an die Angestellten.

3. Die Grundholden. Bei diesen bestand die Verpflichtung durch einen Vertrag der Verleihung. Mit diesen haben wir es im Raum der Hofmark, bzw. Pfarrei Scheyern fast ausschließlich zu tun. Je nach der Art der Verleihung kommen bei uns drei Formen vor:

a) Freistift, auch Herrengunst.
Da die Leibeigenschaft für unseren Raum keine Rolle spielt, war die erste Art der Verleihung die Freistift. Diese beruht nicht auf einen Willkürakt des Grundherrn, sondern spiegelt das ursprüngliche Treueverhältnis wieder zwischen dem Grundherrn und dem Grundholden. Sebastian Hiereth schreibt dazu: „Der Grundholde war ursprünglich der durch die Huld des Herrn mit einem Gut beliehene, dem Herrn zur Treue verpflichtete Bauer“. Umgekehrt war der Grundherr auch der Schutzherr seines „Grundholden“.
In unserem Raum war die Freistift, oder die „Herrengunst“ die bis ins 16. Jahrhundert allgemein Übliche Verleihungsform. Es mußte jedes Jahr formell der Leihvertrag erneuert, das heißt das Gut neu “ gestiftet“ werden. Dabei reichte man die jährlich fällige „Gilt“, auch „Stift“ genannt. Da die Bekräftigung des Leihvertrages formell von der „Gunst“ des Grundherrn abhängig war, nannte man diese Form auch „Herrengunst“.
Um 1480 tauchen die „Stiftmaß“ und die „Stifthenne“ auf. Dies bedeutet, daß zur Bekräftigung des neuen Leihvertrages der Grundholde eine „Maß Wein“ und eine Henne ablieferte. Oft wurde die Maß Wein mit 14 Pfennigen – unabhängig von der schleichenden Geldentwertung – und die Henne ebenfalls mit einem entsprechenden Geldbetrag abgegolten.
Bereits ein oberflächlicher Blick auf die Liste der Besitzer zeigt, daß sich schon im 15. Jahrhundert- einzelne Familien lange auf ihrem Gut gehalten haben. Jedoch war der Besitz auf Lebenszeit oder gar eine regelrechte verbriefte Erbfolge nicht die Regel. Trotzdem wurden die Leute nicht aus ihrer Heimat vertrieben. Sie wechselten oft von einem Gut auf ein anderes über.
Auffallend ist in den Salbüchern des 15. Jahrhunderts, die zum Teil sehr sorgfältig geführt sind, das Wort „Convenit“, d.h. man „kam überein“. Jedes Jahr wurde bei jedem Anwesen neu verhandelt. Dabei wurden oft erhebliche Abstriche gemacht vom ursprünglich festgelegten Ablieferungs-Soll an Getreide und anderen Dingen.

b) Leibrecht
Dieses Wort gibt oft Anlaß zu Mißverständnissen. Viele denken dabei an die „Leibeigenschaft'“. Und doch bedeutet es etwas ganz anderes. Leibrecht heißt so viel wie Verleihung eines Gutes auf den leib, d.h. auf Lebenszeit des Grundholden. Diese „Leibgedings- Gerechtigkeit“ finden wir vereinzelt bereits im 14. Jahrhundert, wird dann immer häufiger und setzt sich dann im 17. Jahrhundert bei den Grundholden des Klosters Scheyern ausschließlich durch.
Da man auch auf den „Leib“ eines anderen, auch auf den eines Kindes stiften konnte, setzt damit eine faktisch geübte Erbfolge ein, auch wenn sie rechtlich nicht festgelegt war. Die Besitzerlisten der einzelnen Güter zeigen, daß weitgehend diese „Erbfolge“ ausgeübt wurde, soweit überhaupt entsprechende Nachkommenschaft vorhanden war. Wie die „Briefprotokolle“ beweisen, die von 1643 bis 1802 fast lückenlos noch vorhanden sind, war die „Übergabe“ vom Vater auf den Sohn oder die Tochter eine selbstverständliche Gepflogenheit und genau geregelt.
Nur im äußersten Notfall, wenn z.B. sich trotz Bemühens kein Angehöriger als Erbe finden ließ, machte der Grundherr von seinem Recht Gebrauch und bestellte einen neuen Besitzer. Dies geschah auch, wenn der „Erbe“ wegen eines Defektes, wegen Blindheit oder geistiger Behinderung, sich als völlig ungeeignet erwies.

c) Erbrecht
Wenn auch die praktisch geübte Erbfolge sich schon im 16. und 17. Jahrhundert durchsetzte, so war man doch mit der Gewährung des förmlichen Erbrechtes sehr sparsam. Man wollte eben vermeiden, daß ein völlig Untauglicher einen Hof oder ein Amt übernimmt.
Im Raum der Hofmark Scheyern sind nur ganz wenige Fälle bekannt, in denen das Erbrecht gewährt wurde. So lesen wir, daß dem Ambrosi Rheiner von Großenhag- Scheyern vom Abt Georg Neupeck ( 1558 – 1574) das Erbrecht verliehen wurde. Er hat offenbar seinen Einfluß als Kämmerer in diesem Sinne geltend gemacht. Gleichzeitig konnte auch der Gastwirt Georg Marthan für einige äcker das Erbrecht erwerben.
Gerade das Beispiel des Gastwirts zeigt aber auch, daß man sogar mit dem Leibrecht bei so empfindlichen Betrieben, wie Gastwirtschaft, nicht immer die besten Erfahrungen machte. Im Jahre 1660 sah sich das Kloster genötigt, die „Hoftaferne“ in eigene Verwaltung zu übernehmen.

Einführung in die Haus- und Familiengeschichte
Vor der Lektüre dieser Haus- und Familiengeschichte sollte man unbedingt diese Einführung lesen und studieren. Es werden verschiedene Fachausdrücke und Redewendungen gebraucht, deren Verständnis notwendig ist.
1. Diese Haus- und Familiengeschichte ist in vier Bände aufgeteilt: Band 1 , Großenhag- Scheyern; Band 11. Scheyern- Ost; Band III, Scheyern- West; Band IV, Scheyern- Nord. Band 1, Großenhag- Scheyern ist bereits 1987 erschienen. In jeden Band sind die Ortschaften alphabetisch geordnet. Am Schluß befindet sich jeweils ein alphabetisches Namensverzeichnis, das die Auffindung von gesuch- ten Namen erleichtert.
z. Bei jeder Ortschaft befindet sich zunächst eine kurze Geschichte, ein Verzeichnis der einzelnen Anwesen und eine Übersichtskarte. Dann folgt die genaue Beschreibung der Anwesen, die vor 1900 schon bestanden haben. Die Ge schichte beginnt von dem Zeitpunkt an, der sich urkundlich zuerst festlegen läßt.
3. Nach 1900 sind die Angaben – um des Datenschutzes willen – bewußt unvollständig. Es sind nur die nötigsten Angaben gemacht, um den Zusammenhang mit der Gegenwart herzustellen. Nach 1940 werden nur Querschnitte aufgeführt, z.B. 1957 und 1979, ohne etwa dazwischenliegende Namen zu erfassen.
4. Bei den älteren Anwesen beginnt die Geschichte meist mit der Übergabe an das Kloster, oder einen anderen Grundherrn. Die entsprechenden Angaben sind zum größten Teil entnommen:

a) einer Urkunde;
b) dem Liber primae fundationis, dem Traditionsbuch (Clm 1052), oder „Buch der ersten Grundausstattung“, um 1210.
c) dem Liber matutinalis, dem Matutinalbuch (Clm 17 401), um 1220.

5. Nach dem Namen ist meist die fällige jährliche Abgabe, die „Gilt“ oder auch „Stift“ angegeben.
Bei den größeren Anwesen wird bis etwa 1420 noch vermerkt, wie viel für eine eventuelle Übergabe bzw. eine fällige Hochzeit bereitzuhalten ist. Da ohnehin bald eine faktisch geübte Erbfolge einsetzte, verlor eine solche Bestimmung an Bedeutung. Sie findet sich daher in den Salbüchern des 15. Jahrhunderts nicht mehr.
Umso mehr gewinnt an Bedeutung die jährlich abzugebende „Gilt“ oder „Stift“, bei der auch die „Stiftung“ auf ein weiteres Jahr durch die „Stiftmaß“ und „Stifthenne“ bekräftigt wird.
6. Das Ablieferungs-Soll an Getreide uns sonstigen Lebensmitteln konnte oft nicht eingehalten werden. Es wurde darum, besonders im 15. Jahrhundert, eine Übereinkunft erzielt über die Höhe der „Getreidegift“ und des „Küchendienstes“. In diesem Sinn ist die Redewendung zu verstehen: „Man kam überein“.
7. Um 1500 wurde allgemein eine Bestandsaufnahme und Neu- Organisation der Stiftungsgepflogenheiten durchgeführt. Aus dieser Zeit sind uns drei wichtige zusätzliche Quellen zugänglich: Das Harnasch-Buch, die Steueranlage von 1507 und 1516 und bei einigen Gütern auch eine Grundbeschreibung.
a) Das Harnasch – Buch
Dieses Harnasch-Buch ist eine der wichtigsten Quellen für unsere Geschichte, da es von 1480 bis etwa 1550 jeweils die Besitzer aufführt, die auf einem Anwesen ansässig waren, auch, dann, wenn sie keine Grundholden des Klosters waren. Es ist für die Jahre 1480, 1492 und 1535 angelegt.
Dabei ist zu beachten, daß sich um diese Zeit die Familiennamen noch nicht gefestigt hatten. So wird oft nur der Vorname, oft nur der Beruf, dann wieder nur der Hausname angegeben. (Siehe Anhang III, Harnasch-Buch !)
b) Die Steueranlage der Jahre 1507 und 1516
Diese ist besonders wichtig, um sich ein Bild zu machen über die wirtschaftlichen und häuslichen Verhältnisse der damaligen Zeit. Auch hier ist zu berücksichtigen, das feste Familiennamen sich noch nicht eingebürgert hatten. In der Steueranlage wird der Vermögenswert des Gutes geschätzt und die daraus sich ergebende Steuer berechnet. Sie beträgt den 30. Teil des Vermögenswertes. Die Entlohnung der Dienstboten wird mit 12,5 % Lohnsteuer belegt.
c) Die Grundbeschreibung vom Jahre 1490
Für einige Anwesen liegt eine Grundbeschreibung vom Jahre 1490 vor, die ebenfalls in vieler Beziehung aufschlußreich ist (siehe auch Anhang V, Grundbeschreibung!). Sie hat die Dreifelder-Wirtschaft zur Grundlage. Die äcker werden in Joch (1 Joch = 2 Tagwerk) gemessen, die Wiesen in Tagwerk. Ein mittlerer „Hof“ hatte auf jedem Feld etwa 12 Joch Ackerland, also im ganzen etwa 72 Tagwerk; dazu noch etwa 10 Tagwerk Wiesen, und etwas Holz, das jedoch bei der Bestimmung der Größe des Hofes nicht mitgezählt wurde.

8. Um 1500 setzte eine neue Form der Berleihung ein. Zunächst fällt auf, daß in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts die Besitzer verhältnismäßig oft wechseln, während später die Abstände wieder größer werden. Für jede neue Verleihung, auch „Neustift“ genannt, mußte eine eigene Stiftungsgebühr bezahlt werden, die nicht verwechselt werden darf mit der jährlichen „Stift“ oder „Gilt“. Ihre Höhe pendelte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf den um 1500 geschätzten Vermögenswert des Gutes ein. (Siehe dazu Anhang 11, Die Abgaben !).
Bemerkenswert ist, daß sowohl die jährliche „Gilt“ (=“Stift“) als auch die bei einer Neuverleihung fällige „Stiftungsgebühr“ von etwa 1650 bis 1802 sich auf der gleichen Höhe gehalten haben, obwohl in der Zwischenzeit der Handelswert eines Gutes etwa auf das Zehnfache stieg. (siehe Anhang II, Die Abgaben).

9. Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich die Verleihung auf Lebenszeit, die Stiftung auf den „Leib“, oder „Leibstift“, vollends durch. Sie war schon vorher weit verbreitet und wurde jeweils mit einem eigenen „Leibgedingsbrief“ abgesichert. Nun aber wurde sie Gewohnheitsrecht, auch ohne vertragliche Absicherung. Der entsprechende Ausdruck dafür lautet: „Er stiftet Leib“. Man konnte auch auf den „Leib“ eines anderen stiften. So lauten die Begriffe: „Er stiftet Leib auf sich selbst'“, oder „Er stiftet auf den Leib seiner Frau“, oder auf „ein Kind, in 3 Jahren zu benennen“. Damit erhält auch die bereits vorher tatsächlich geübte, wenn auch nicht rechtlich abgesicherte, Erbfolge eine weitere Festigung.

10. Vor 1500 bedeutet-
wie schon vermerkt- die Zahl hinter d. Namen die jährlich fällige Gilt, auch „Stift“ genannt.
Nach 1500 ist meist zunächst die Stiftungsgebühr angegeben, die für die Verleihung auf mehrere Jahre fällig war. Manchmal ist dies auch eigens vermerkt. Es heißt dann etwa: “ Er stiftet für 20 Gulden“. Da diese Stiftungsgebühr im Allgemeinen bedeutend höher ist, läßt sie sich schon durch ihre Höhe von der jährlichen „Stift“, bzw. „Gilt“ unterscheiden.

11. Nach der Säkularisation, im Jahre 1803, ging das „Obereigentum“; das bisher beim Kloster lag, auf den Staat über, an den nun die jährlichen Gilten abgeliefert werden mußten. Die Bauern konnten sich jedoch „freikaufen“, was schließlich zur Einführung des „Bodenzinses“ führte (siehe, S. 38*!).

12. Hinter den einzelnen Angaben sind in Klammern auch die Quellen angegeben. Ihre genaue Bedeutung findet sich im Anhang 1, Quellen und Literatur. Nach 1802 sind alle Angaben entnommen entweder den Pfarrmatrikeln oder den Katastern, die sich im Hauptstaatsarchiv in München befinden.

13. Ein genaues Verzeichnis der Maße und Gewichte findet sich im Anhang VII. Darum seien an dieser Stelle nur die wichtigsten Geldeinheiten vermerkt:

1 Gulden = 7 Schillinge = 210 Pfennige;

1 Pfund Pfennige = 8 Schillinge = 240 Pfennige;

1 Kreuzer = 3,5 Pfennige;

1 Schilling = 30 Pfennige;

1 Heller = 0,5 Pfennige.

14. Im Anhang VI ist ein ausführliches Sachverzeichnis mit den wichtigsten Begriffen angeführt. Es seien daher an dieser Stelle nur einige genannt.
Anfall: Abgabe, die bei einer Besitzveränderung, d.h. Kauf oder Verkauf, „anfiel“. Sie betrug gewöhnlich 5 % des Kaufpreises.

Gilt, Güit: Die jährlich zu entrichtende Abgabe, auch „Stift“ genannt.
Man unterschied: „Pfennig- Gilt“, die Abgabe in Geld;
„Getreide- Gilt“, Abgabe an Getreide;
und „Küchendienst“, Abgabe an Eiern, Käse, Hühnern, usw.

Infulsteuer: Steuer, die ein neu gewählter Prälat, in unserem Falle der Abt von Scheyern, erheben konnte. Sie wurde nur selten eingebracht.
Kirchentracht: Abgabe, die nach dem Dreißigjährigen Krieg als eine Art Kirchsteuer erhoben wurde. Sie betrüg für einen Hof 8; eine Hube 6, ein Lehen 4, und eine Hofstatt 2 Kreuzer.
Landschuld: Ein anderer Begriff für die bei einer Neuverleihung fällige „Stiftungsgebühr“.
Hof, ein Anwesen ab etwa 60 Tagwerk Ackerland;
Hube, Anwesen mit etwa 40-60 Tagwerk Ackerland;
Lehen, Anwesen mit etwa 5 – 35 Tagwerk Ackerland;
Hofstatt, Anwesen nur mit Garten, und einem kleinen Acker;
Leibkauf, Leykauf, Geldsumme, die bei einer neuen Verleihung zur Bekräftigung des Leihvertrages gegeben wurde, meist 1-3 Gulden;
Mitl, lateinisch modius, Paffenhofener Maß , 185 Liter;
Scheffel, Scheffel, bayerischer Scheffel, 222 Liter;
Scharwerk, ursprünglich die unentgeltliche Arbeitsleistung des Grundholden für den Grundherrn; später gab es dafür auch eine geringe Entlohnung.

15. Schreibweise der Namen:
Es sei hier noch ein wichtiger Hinweis angebracht auf die Schreibweise der Namen. Es fällt sofort auf, dass die Namen von gleichen Personen oder gleichen Orten, selbst wenn sie zu gleicher Zeit auftreten, verschieden geschrieben werden.
Die Schreibweise ist jeweils der Vorliegenden Unterlage entnommen. Bei Verstiftungen sind dies im Allgemeinen die Salbücher, bei Verheiratungen die Pfarrmatrikel. Die Eintragungen wurden vielfach nach dem Gehör gemacht, da viele Leute noch nicht lesen und schreiben konnten. Urkunden waren im all- gemeinen nicht vorhanden.
Bei den Vornamen bevorzugt die Pfarrmatrikel die lateinische Schreibart, z.B. Joannes statt Johann, bzw. Hanns.
Verbindliche Schreibweisen haben sich erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts durchgesetzt. Erst von da an kann man von einer „richtigen“, bzw. „falschen“ Schreibweise reden.

Übernommen aus:
Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern Band II Scheyern – Ost

Das Kloster Scheyern als Grundherr in der Pfarrei und in der Hofmark Scheyern

1. Geschichtlicher Zusammenhang
Das Kloster Scheyern, dessen Gründung um 1119 erfolgte, hatte der Vorläufer. Die Gräfin Haziga, die Gemahlin des Grafen Otto 1. von Scheyern, hatte bereits um 1077 in Zell, auch Margarethenzell oder Bayrischzell genannt, eine Kirche weihen lassen, und die Stiftung dem Reformkloster Hirsau unterstellt, das dorthin 1.2 Mönche und ebensoviele „Laienbrüder“ sandte.
Wegen der ungünstigen Verhältnisse zogen die Mönche um 1085 nach dem nahe- gelegenen Fischbachau, wo 1087 eine erste Kirche eingeweiht wurde. Sie bauten kurz darauf eine zweite größere Kirche, die sie dem hl. Martin weih- ten, die erste Hirsauer-Kirche auf bayrischen Boden.
Aber durch verschiedene Umstände veranlaßt, wahscheinlich vor allem auf Drängen des Grafen Berthold von Burgeck, zogen sie um 1105 in die Nähe von Dachau auf den nachmaligen Petersberg. Die dort von ihnen erbaute Kirche, eben- falls nach dem Hirsauer Baustil – und mit schönen Fresken ausgemalt – ,ist noch gut in der ursprünglichen Gestalt erhalten.
Schließlich, als alle am Besitz der Burg Scheyern beteiligten Linien ihre Ein- willigung gegeben hatten, konnte der letzte Umzug, um das Jahr 1119. nach Scheyern erfolgen. Die Grafen von Scheyern waren bereits kurz vorher nach Wittelsbach umgezogen und benannten sich von nun an nach ihrem neuen Wohnsitz.
Die päpstliche; Bestätigung der neuen Gründung erfolgte im Jahre 1123. In der entsprechenden Urkunde wird – wie auch in den früheren für Fisch bachau und Petersberg – besonders scharf hervorgehoben, daß der Abt des Klosters selber das Recht habe, einen geeigneten V o g t einzusetzen -und ihn, wenn er sich nicht bewähren sollte, auch wieder abzusetzen. Aber ein Jahr später setzte der Kaiser fest, daß der Pfalzgraf Otto und seine Nachkommen die Rechte eines Vogtes über das Kloster ausüben sollten. Das Kloster mußte sich – wohl oder übel – dem Willen des Kaisers fügen, denn schließlich waren die Vögte, die – Wittelbacher Grafen, auch die Stifter und Wohltäter des Klosters , die es mit reichen Gütern ausgestattet hatten und noch immer beschenkten.
Eine Verbesserung der Lage brachte das Hofmarks – Privileg des Kaisers Ludwig des Bayern, vom 19. April 1315, das dem Kloster das Recht einräumte, einen Richter zu bestellen, und in seiner Hofmark die Niedere Gerichtsbarkeit auszuüben. Diese Hofmark deckte sich im wesentlichen mit der Pfarrei Scheyern. In ihm besaß das Kloster auch einen großen zu- sammenhängenden Grundbesitz.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß dieses Gebiet bereits vor der Gründung des Klosters ein zusammenhängendes Herschaftsgebiet der Scheyerer Grafen dar- stellte, das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch religiös einheitlich von Scheyern betreut wurde. So gibt es in dem verhältnismäßig großen Pfarrbezirk, von etwa 10 Kilometer Länge und 5 Kilometer Breite außer der am Rande liegenden Filialkirche in Niederscheyern, nur die einzige Kirche in Scheyern.
In dem genannten Gebiet war das Kloster Scheyern in dreifacher Beziehung zu- ständig: als Gerichts- Herr in der Hofmark, als Pfarr-Herr in der Pfarrei und als Grund-Herr über die dem Kloster Übereigneten Anwesen.
2. Die Lehensherrschaft
Vor der Säkularisation, im Jahre 1803, war das Kloster Scheyern innerhalb des Gebietes der Pfarrei Eigenümer von etwa 265 Anwesen, deren Inhaber im rechtlichen Sinn nur Besitzer waren. Sie „saßen“ auf dem Anwesen nur, waren also nur „Insassen“ und „Besitzer“. Es bestand also ein gemischtes Eigen- tumsverhältnis.
Nach der Wiedererrichtung des Klosters, im Jahre 1838, durch König Ludwig 1., erhielt das Kloster zwar den Besitz des Prielhofes zurück, aber das frühere „Eigen- tumsverhältnis“ über Grund und Boden seiner „Grundholden“‚ war verloren gegan- gen. Letztere wurden selbständige Eigentümer.
Die Besitzverhältnisse vor der Säkularisation können wir nur verstehen, wenn wir uns Gedanken machen über die Lehensherrschaft.
Dazu müssen wir zurückgehen in die Zeit der Völkerwanderung. Auch unsere Vor- fahren waren größtenteils eingewandert und haben sich erst mit der Zeit seßhaft gemacht. Schon aus diesem Grund bestand ursprünglich noch keine feste Bindung an den Boden, wie dies heute der Fall ist. Die ursprüngliche Art des Besitzes war das gemeinschaftliche Eigentum des ganzen Stammes, dessen Repräsentant der Herzog, der Stammeshäuptling, war, wie dies auch noch heute bei vielen Naturvölkern der Fall ist.
Der Herzog verlieh dann, sobald die Stämme seßhaft wurden, an seine Vasallen, seine Gefolgsleute, einen Teil von Grund und Boden zur eigenen Bewirtschaftung. Diese hinwiederum verliehen einen Teil davon an die Bauern. Beide Arten von Verleihung geschahen zunächst auf Bewährung. In ähnlicher Weise verlieh der Kaiser seine Herzogtümer.
Diese Verleigung, weiche die Grundlage der Lehensherrschaft bildet, hatte für die damalige Zeit durchaus etwas Sinnvolles. Damit war die Macht, bzw. das Eigentum, geteilt. Die einzelnen Besitzer mußten erst allmählich lernen, verantwortungsbewußt mit dem Besitz umzugehen. Dieser Gedanke ist auch durchaus biblisch, wonach jedes Eigentum ein von Gott verliehenes „Talent“ ist, mit dem der Mensch sinnvoll umgehen muß. Es ist niemals völlig absolut, sondern hat immer auch einen Gemeinschaftsbezug.
Im Verhältnis zwischen dem Kaiser und den Fürsten setzte sich bald eine Ver- leihung auf „Lebenszeit“ ein, was schließlich zu einem formellen Erbrecht wurde. Auf diese Weise hatten die Wittelsbacher die Herrschaft über Bayern von 1180 bis zum Jahre 1918 dauernd inne.
Auch im Verhältnis zwischen den Fürsten und den Adeligen läßt sich dieser Prozeß beobachten. Zwischen den Adeligen, bzw. den kirchlichen Institutionen, und den Bauern zog sich dieser Vorgang etwas länger hin. Rein rechtlich kam es nur in wenigen Fällen zu einem formellen Erbrecht. Aber tatsächlich läßt sich bei den größeren Bauern bereits im 15. Jahrhundert eine selbstverständlich geübte Vererbung vom Vater auf den Sohn, bzw. auf die Tochter, feststellen. Bei den kleineren Gütern läßt sich dies erst im 17. Jahrhundert beobachten. Dieser Prozeß setzte in dem Augenblick ein, als man dazu überging, ein Gut nicht nur auf Bewährung, sondern auf „Lebenszeit“ zu verleihen. Der Grundholde konnte das Gut auf seinen „Leib stiften“. Dies führte von selber dazu, auch auf den „Leib“ eines Nachfolgers, bzw. eines Kindes zu „stiften“. Damit war das faktisch gehandhabte Erbrecht eingeführt.
Nachdem der Besitzer in einer jahrhundertelangen Schule allmählich zu immer größerer Verantwortung im Umgang mit dem Besitz herangebildet war, konnte man ihm auch das volle Eigentum übertragen.
3. Das Kloster Scheyern als Grundherr
Die weit verzweigten Besitzungen an Grund und Boden und an Gütern verschiedener Art, die das Kloster Scheyern vor der Säkularisation besaß, rührten ausschließlich her von Schenkungen, Vertauschungen oder vom käuflichen Erwerb. Vor allem die Mitglieder der Stifterfamilie, Adelige und andere vermögende Leute haben dem Kloster besonders im 12. und 13. Jahrhundert viele Güter geschenkt, wie sie besonders aufgezeichnet sind im „Liber primae fundationis“ (Buch der ersten Gründung, um 1210, Clm 1052). Als Zweck der Schenkung wird fast immer angegeben, daß die Mönche für das Seelenheil der verstorbenen Angehörigen beten.
Allein dieser Umstand führte zu einer übermäßigen Häufung von zusätzlichen Übungen von Gebeten und Gottesdienstfeiern, die neben dem Chorgebet nur mehr wenig Zeit für körperliche und geistige Arbeit übrig ließ.
Ein weiterer Grund der Übereignungen, der besonders den weltlichen Herrschern vor Augen schwebte, war, daß das Kloster seine Leute, die Bauern und sonstigen Grundholden, zu einer geordneten und verantwortungsbewußten Arbeit anleiten sollte. Vom Ertrag aus den verschiedenen Abgaben sollte das Kloster die Gebäude und die Kirche erhalten und ihre Mitglieder ernähren. Indirekt würde dadurch die Steuereinnahme des Staates gehoben werden. Auch sollte das Kloster für die Untergebenen eine Schutzfunktion ausüben und die vielfältigen Verwaltungsausgaben bestreiten, die es als Gerichtsherr hatte.
Die Mönche haben im allgemeinenen sehr einfach und sparsam gelebt. Das wußten auch die Herzöge und haben darum wiederholt das für den Bau der Kirche oder für sonstige wichtige Vorhaben gesparte Geld vom Abte abverlangt und für ihre Zwecke verwendet.
Die Höhe der Abgaben bewegte sich in erträglichen Grenzen. Sie ist, bei sonst gleich bleibenden Verhältnissen im Laufe der Zeit erheblich gesenkt worden. So betrug – um nur ein sprechendes Beispiel zu nennen – die jährliche Abgabe beim „Stepperger“ in Mitterscheyern um 1300 10 Mitl Korn und 10 Mitl Hafer. Bis 18. Jahrhundert erniedrigte sich diese auf 4 Schäffel Korn und 4 Schäffel Hafer. Dabei entspricht 1 Mitl etwa 1 Schäffel. Vergleiche dazu auch den Beitrag im Anhang: Die verschiedenen Abgaben.
Fast alle Anwesen der Pfarrei Scheyern waren auch Grunduntertanen des Klosters. Die auffallendsten Ausnahmen davon waren:

Die Ortschaft Gurnöbach,die zum Pfalz- Neuburgischen Landgericht Reichertshofen gehörte;
die Radlhöfe und 2 Anwesen der Ortschaft Webling, die zum Liefrauenstift abgabenpflichtig waren.
Außer dem geschlossenen Gebiet der Pfarrei, bzw. Hofmark Scheyern, gab es in den Landgerichten Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Aichach, Rain am Lech, Dachau und Bad Aibling etwa 400 Anwesen, deren Grundherr das Kloster Scheyern war. Diese Güter kennzeichnen auch den ursprünglichen Herrschaftsbereich der Wittelsbacher.
Bis um 1600 zählten noch einzeln verstreute Güter in Tirol und „im Gebirge“, bei Reit im Winkl, zu Scheyern. Da aber die Höhe der Abgaben gering war und in keinem Verhältnis stand zu dem Verwaltungsaufwand, der um sie gemacht werden mußte, wurden sie 1598 verkauft (Urkunde vom 21. August 1598). Dafür kaufte man den letzten Teil des Scheyerer Forstes, der noch einem Münchener Bürger, Georg Lindauer, gehörte, um 9 400 Gulden (29. August 1598).
4. Rechtliche Stellung der Grundholden
Die Leute, die vom Kloster irgendwie abhängig waren, umfaßten einen engeren und einen weiteren Kreis.
Den engen Kreis bildeten die Mönche, Patres und Laienbrüder, deren Hauptaufgabe in dem gemeinschaftlichen Chorgebet und in der Feier der Eucharistie bestand.
Der weitere Kreis setzte sich zusammen aus den Klosterleuten, den „Gotteshaus-Leuten“, die in irgendeinem gegenseitigen Treueverhältnis zum Kloster standen. Dieses Verhältnis verpflichtete auf der einen Seite zu Abgaben und Steuern, auf der anderen Seite aber garantierte es das Recht auf den Lebensunterhalt und auf die Fürsorge im Notfall.

Je nach der Art der Bindung unterschied man drei Gruppen:
1. Eigenleute, oder die Leibeigenen. Diese Form war die ursprüngliche. Nicht der Besitzer eines Gutes, sondern eine bestimmte Person war abgabenpflichtig und erhielt dafür als Gegengabe den Schutz des Herrn. Die Leibeigenschaft erinnert an eine Zeit, in der die Völksstämme noch nicht seßhaft waren. Mit der allmählichen Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der stärkeren Bindung an Grund und Boden, verlor sie an Bedeutung. Das Brockhaus-Lexikon schreibt dazu unter dem Stichwort „Leibeigenschaft“: „Im Spätmittelalter konnte die Leibeigenschaft als überlebt gelten; hatte sie doch keinen tragenden wirtschaftlichen Grund ihrer Arbeitsverfassung mehr.“
In Scheyern wurde noch 1427 ein Verzeichnis von Eigenleuten angelegt, die dem besonderen Schutz des Klosters anvertraut waren. In den Salbüchern finden sich nur gelegentliche Hinweise. Das sprechendste Beispiel dafür finden wir in Niederscheyern, wo um 1335 die Sandizeller dem Abt Konrad 10 Leute mit ihren Kindern zum besonderen Schutz anvertrauten. (KL 54, 93)

2. Die Angestellten des Klosters, d.h. die Beamten (Richter, Kämmerer, usw.), die Taglöhner, Dienstboten und Handwerker im Kloster, oder im Prielhof. Diese waren dem Kloster durch einen Dienstvertrag verpflichtet und erhielten eine entsprechende Entlöhnung. Bereits im Salbuch vom Jahre 1413 (KL 78, 74) befindet sich ein ausführliches Verzeichnis über die Reichnisse an die Angestellten.

3. Die Grundholden. Bei diesen bestand die Verpflichtung durch einen Vertrag der Verleihung. Mit diesen haben wir es im Raum der Hofmark, bzw. Pfarrei Scheyern fast ausschließlich zu tun. Je nach der Art der Verleihung kommen bei uns drei Formen vor:

a) Freistift, auch Herrengunst.
Da die Leibeigenschaft für unseren Raum keine Rolle spielt, war die erste Art der Verleihung die Freistift. Diese beruht nicht auf einen Willkürakt des Grundherrn, sondern spiegelt das ursprüngliche Treueverhältnis wieder zwischen dem Grundherrn und dem Grundholden. Sebastian Hiereth schreibt dazu: „Der Grundholde war ursprünglich der durch die Huld des Herrn mit einem Gut beliehene, dem Herrn zur Treue verpflichtete Bauer“. Umgekehrt war der Grundherr auch der Schutzherr seines „Grundholden“.
In unserem Raum war die Freistift, oder die „Herrengunst“ die bis ins 16. Jahrhundert allgemein Übliche Verleihungsform. Es mußte jedes Jahr formell der Leihvertrag erneuert, das heißt das Gut neu “ gestiftet“ werden. Dabei reichte man die jährlich fällige „Gilt“, auch „Stift“ genannt. Da die Bekräftigung des Leihvertrages formell von der „Gunst“ des Grundherrn abhängig war, nannte man diese Form auch „Herrengunst“.
Um 1480 tauchen die „Stiftmaß“ und die „Stifthenne“ auf. Dies bedeutet, daß zur Bekräftigung des neuen Leihvertrages der Grundholde eine „Maß Wein“ und eine Henne ablieferte. Oft wurde die Maß Wein mit 14 Pfennigen – unabhängig von der schleichenden Geldentwertung – und die Henne ebenfalls mit einem entsprechenden Geldbetrag abgegolten.
Bereits ein oberflächlicher Blick auf die Liste der Besitzer zeigt, daß sich schon im 15. Jahrhundert- einzelne Familien lange auf ihrem Gut gehalten haben. Jedoch war der Besitz auf Lebenszeit oder gar eine regelrechte verbriefte Erbfolge nicht die Regel. Trotzdem wurden die Leute nicht aus ihrer Heimat vertrieben. Sie wechselten oft von einem Gut auf ein anderes über.
Auffallend ist in den Salbüchern des 15. Jahrhunderts, die zum Teil sehr sorgfältig geführt sind, das Wort „Convenit“, d.h. man „kam überein“. Jedes Jahr wurde bei jedem Anwesen neu verhandelt. Dabei wurden oft erhebliche Abstriche gemacht vom ursprünglich festgelegten Ablieferungs-Soll an Getreide und anderen Dingen.

b) Leibrecht
Dieses Wort gibt oft Anlaß zu Mißverständnissen. Viele denken dabei an die „Leibeigenschaft'“. Und doch bedeutet es etwas ganz anderes. Leibrecht heißt so viel wie Verleihung eines Gutes auf den leib, d.h. auf Lebenszeit des Grundholden. Diese „Leibgedings- Gerechtigkeit“ finden wir vereinzelt bereits im 14. Jahrhundert, wird dann immer häufiger und setzt sich dann im 17. Jahrhundert bei den Grundholden des Klosters Scheyern ausschließlich durch.
Da man auch auf den „Leib“ eines anderen, auch auf den eines Kindes stiften konnte, setzt damit eine faktisch geübte Erbfolge ein, auch wenn sie rechtlich nicht festgelegt war. Die Besitzerlisten der einzelnen Güter zeigen, daß weitgehend diese „Erbfolge“ ausgeübt wurde, soweit überhaupt entsprechende Nachkommenschaft vorhanden war. Wie die „Briefprotokolle“ beweisen, die von 1643 bis 1802 fast lückenlos noch vorhanden sind, war die „Übergabe“ vom Vater auf den Sohn oder die Tochter eine selbstverständliche Gepflogenheit und genau geregelt.
Nur im äußersten Notfall, wenn z.B. sich trotz Bemühens kein Angehöriger als Erbe finden ließ, machte der Grundherr von seinem Recht Gebrauch und bestellte einen neuen Besitzer. Dies geschah auch, wenn der „Erbe“ wegen eines Defektes, wegen Blindheit oder geistiger Behinderung, sich als völlig ungeeignet erwies.

c) Erbrecht
Wenn auch die praktisch geübte Erbfolge sich schon im 16. und 17. Jahrhundert durchsetzte, so war man doch mit der Gewährung des förmlichen Erbrechtes sehr sparsam. Man wollte eben vermeiden, daß ein völlig Untauglicher einen Hof oder ein Amt übernimmt.
Im Raum der Hofmark Scheyern sind nur ganz wenige Fälle bekannt, in denen das Erbrecht gewährt wurde. So lesen wir, daß dem Ambrosi Rheiner von Großenhag- Scheyern vom Abt Georg Neupeck ( 1558 – 1574) das Erbrecht verliehen wurde. Er hat offenbar seinen Einfluß als Kämmerer in diesem Sinne geltend gemacht. Gleichzeitig konnte auch der Gastwirt Georg Marthan für einige äcker das Erbrecht erwerben.
Gerade das Beispiel des Gastwirts zeigt aber auch, daß man sogar mit dem Leibrecht bei so empfindlichen Betrieben, wie Gastwirtschaft, nicht immer die besten Erfahrungen machte. Im Jahre 1660 sah sich das Kloster genötigt, die „Hoftaferne“ in eigene Verwaltung zu übernehmen.

Einführung in die Haus- und Familiengeschichte
Vor der Lektüre dieser Haus- und Familiengeschichte sollte man unbedingt diese Einführung lesen und studieren. Es werden verschiedene Fachausdrücke und Redewendungen gebraucht, deren Verständnis notwendig ist.
1. Diese Haus- und Familiengeschichte ist in vier Bände aufgeteilt: Band 1 , Großenhag- Scheyern; Band 11. Scheyern- Ost; Band III, Scheyern- West; Band IV, Scheyern- Nord. Band 1, Großenhag- Scheyern ist bereits 1987 erschienen. In jeden Band sind die Ortschaften alphabetisch geordnet. Am Schluß befindet sich jeweils ein alphabetisches Namensverzeichnis, das die Auffindung von gesuch- ten Namen erleichtert.
z. Bei jeder Ortschaft befindet sich zunächst eine kurze Geschichte, ein Verzeichnis der einzelnen Anwesen und eine Übersichtskarte. Dann folgt die genaue Beschreibung der Anwesen, die vor 1900 schon bestanden haben. Die Ge schichte beginnt von dem Zeitpunkt an, der sich urkundlich zuerst festlegen läßt.
3. Nach 1900 sind die Angaben – um des Datenschutzes willen – bewußt unvollständig. Es sind nur die nötigsten Angaben gemacht, um den Zusammenhang mit der Gegenwart herzustellen. Nach 1940 werden nur Querschnitte aufgeführt, z.B. 1957 und 1979, ohne etwa dazwischenliegende Namen zu erfassen.
4. Bei den älteren Anwesen beginnt die Geschichte meist mit der Übergabe an das Kloster, oder einen anderen Grundherrn. Die entsprechenden Angaben sind zum größten Teil entnommen:

a) einer Urkunde;
b) dem Liber primae fundationis, dem Traditionsbuch (Clm 1052), oder „Buch der ersten Grundausstattung“, um 1210.
c) dem Liber matutinalis, dem Matutinalbuch (Clm 17 401), um 1220.

5. Nach dem Namen ist meist die fällige jährliche Abgabe, die „Gilt“ oder auch „Stift“ angegeben.
Bei den größeren Anwesen wird bis etwa 1420 noch vermerkt, wie viel für eine eventuelle Übergabe bzw. eine fällige Hochzeit bereitzuhalten ist. Da ohnehin bald eine faktisch geübte Erbfolge einsetzte, verlor eine solche Bestimmung an Bedeutung. Sie findet sich daher in den Salbüchern des 15. Jahrhunderts nicht mehr.
Umso mehr gewinnt an Bedeutung die jährlich abzugebende „Gilt“ oder „Stift“, bei der auch die „Stiftung“ auf ein weiteres Jahr durch die „Stiftmaß“ und „Stifthenne“ bekräftigt wird.
6. Das Ablieferungs-Soll an Getreide uns sonstigen Lebensmitteln konnte oft nicht eingehalten werden. Es wurde darum, besonders im 15. Jahrhundert, eine Übereinkunft erzielt über die Höhe der „Getreidegift“ und des „Küchendienstes“. In diesem Sinn ist die Redewendung zu verstehen: „Man kam überein“.
7. Um 1500 wurde allgemein eine Bestandsaufnahme und Neu- Organisation der Stiftungsgepflogenheiten durchgeführt. Aus dieser Zeit sind uns drei wichtige zusätzliche Quellen zugänglich: Das Harnasch-Buch, die Steueranlage von 1507 und 1516 und bei einigen Gütern auch eine Grundbeschreibung.
a) Das Harnasch – Buch
Dieses Harnasch-Buch ist eine der wichtigsten Quellen für unsere Geschichte, da es von 1480 bis etwa 1550 jeweils die Besitzer aufführt, die auf einem Anwesen ansässig waren, auch, dann, wenn sie keine Grundholden des Klosters waren. Es ist für die Jahre 1480, 1492 und 1535 angelegt.
Dabei ist zu beachten, daß sich um diese Zeit die Familiennamen noch nicht gefestigt hatten. So wird oft nur der Vorname, oft nur der Beruf, dann wieder nur der Hausname angegeben. (Siehe Anhang III, Harnasch-Buch !)
b) Die Steueranlage der Jahre 1507 und 1516
Diese ist besonders wichtig, um sich ein Bild zu machen über die wirtschaftlichen und häuslichen Verhältnisse der damaligen Zeit. Auch hier ist zu berücksichtigen, das feste Familiennamen sich noch nicht eingebürgert hatten. In der Steueranlage wird der Vermögenswert des Gutes geschätzt und die daraus sich ergebende Steuer berechnet. Sie beträgt den 30. Teil des Vermögenswertes. Die Entlohnung der Dienstboten wird mit 12,5 % Lohnsteuer belegt.
c) Die Grundbeschreibung vom Jahre 1490
Für einige Anwesen liegt eine Grundbeschreibung vom Jahre 1490 vor, die ebenfalls in vieler Beziehung aufschlußreich ist (siehe auch Anhang V, Grundbeschreibung!). Sie hat die Dreifelder-Wirtschaft zur Grundlage. Die äcker werden in Joch (1 Joch = 2 Tagwerk) gemessen, die Wiesen in Tagwerk. Ein mittlerer „Hof“ hatte auf jedem Feld etwa 12 Joch Ackerland, also im ganzen etwa 72 Tagwerk; dazu noch etwa 10 Tagwerk Wiesen, und etwas Holz, das jedoch bei der Bestimmung der Größe des Hofes nicht mitgezählt wurde.

8. Um 1500 setzte eine neue Form der Berleihung ein. Zunächst fällt auf, daß in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts die Besitzer verhältnismäßig oft wechseln, während später die Abstände wieder größer werden. Für jede neue Verleihung, auch „Neustift“ genannt, mußte eine eigene Stiftungsgebühr bezahlt werden, die nicht verwechselt werden darf mit der jährlichen „Stift“ oder „Gilt“. Ihre Höhe pendelte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf den um 1500 geschätzten Vermögenswert des Gutes ein. (Siehe dazu Anhang 11, Die Abgaben !).
Bemerkenswert ist, daß sowohl die jährliche „Gilt“ (=“Stift“) als auch die bei einer Neuverleihung fällige „Stiftungsgebühr“ von etwa 1650 bis 1802 sich auf der gleichen Höhe gehalten haben, obwohl in der Zwischenzeit der Handelswert eines Gutes etwa auf das Zehnfache stieg. (siehe Anhang II, Die Abgaben).

9. Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich die Verleihung auf Lebenszeit, die Stiftung auf den „Leib“, oder „Leibstift“, vollends durch. Sie war schon vorher weit verbreitet und wurde jeweils mit einem eigenen „Leibgedingsbrief“ abgesichert. Nun aber wurde sie Gewohnheitsrecht, auch ohne vertragliche Absicherung. Der entsprechende Ausdruck dafür lautet: „Er stiftet Leib“. Man konnte auch auf den „Leib“ eines anderen stiften. So lauten die Begriffe: „Er stiftet Leib auf sich selbst'“, oder „Er stiftet auf den Leib seiner Frau“, oder auf „ein Kind, in 3 Jahren zu benennen“. Damit erhält auch die bereits vorher tatsächlich geübte, wenn auch nicht rechtlich abgesicherte, Erbfolge eine weitere Festigung.

10. Vor 1500 bedeutet- wie schon vermerkt- die Zahl hinter d. Namen die jährlich fällige Gilt, auch „Stift“ genannt.
Nach 1500 ist meist zunächst die Stiftungsgebühr angegeben, die für die Verleihung auf mehrere Jahre fällig war. Manchmal ist dies auch eigens vermerkt. Es heißt dann etwa: “ Er stiftet für 20 Gulden“. Da diese Stiftungsgebühr im Allgemeinen bedeutend höher ist, läßt sie sich schon durch ihre Höhe von der jährlichen „Stift“, bzw. „Gilt“ unterscheiden.

11. Nach der Säkularisation, im Jahre 1803, ging das „Obereigentum“; das bisher beim Kloster lag, auf den Staat über, an den nun die jährlichen Gilten abgeliefert werden mußten. Die Bauern konnten sich jedoch „freikaufen“, was schließlich zur Einführung des „Bodenzinses“ führte (siehe, S. 38*!).

12. Hinter den einzelnen Angaben sind in Klammern auch die Quellen angegeben. Ihre genaue Bedeutung findet sich im Anhang 1, Quellen und Literatur. Nach 1802 sind alle Angaben entnommen entweder den Pfarrmatrikeln oder den Katastern, die sich im Hauptstaatsarchiv in München befinden.

13. Ein genaues Verzeichnis der Maße und Gewichte findet sich im Anhang VII. Darum seien an dieser Stelle nur die wichtigsten Geldeinheiten vermerkt:
1 Gulden = 7 Schillinge = 210 Pfennige;

1 Pfund Pfennige = 8 Schillinge = 240 Pfennige;

1 Kreuzer = 3,5 Pfennige;

1 Schilling = 30 Pfennige;

1 Heller = 0,5 Pfennige.

14. Im Anhang VI ist ein ausführliches Sachverzeichnis mit den wichtigsten Begriffen angeführt. Es seien daher an dieser Stelle nur einige genannt.
Anfall: Abgabe, die bei einer Besitzveränderung, d.h. Kauf oder Verkauf, „anfiel“. Sie betrug gewöhnlich 5 % des Kaufpreises.

Gilt, Güit: Die jährlich zu entrichtende Abgabe, auch „Stift“ genannt.
Man unterschied: „Pfennig- Gilt“, die Abgabe in Geld;
„Getreide- Gilt“, Abgabe an Getreide;
und „Küchendienst“, Abgabe an Eiern, Käse, Hühnern, usw.

Infulsteuer: Steuer, die ein neu gewählter Prälat, in unserem Falle der Abt von Scheyern, erheben konnte. Sie wurde nur selten eingebracht.
Kirchentracht: Abgabe, die nach dem Dreißigjährigen Krieg als eine Art Kirchsteuer erhoben wurde. Sie betrüg für einen Hof 8; eine Hube 6, ein Lehen 4, und eine Hofstatt 2 Kreuzer.
Landschuld: Ein anderer Begriff für die bei einer Neuverleihung fällige „Stiftungsgebühr“.
Hof, ein Anwesen ab etwa 60 Tagwerk Ackerland;
Hube, Anwesen mit etwa 40-60 Tagwerk Ackerland;
Lehen, Anwesen mit etwa 5 – 35 Tagwerk Ackerland;
Hofstatt, Anwesen nur mit Garten, und einem kleinen Acker;
Leibkauf, Leykauf, Geldsumme, die bei einer neuen Verleihung zur Bekräftigung des Leihvertrages gegeben wurde, meist 1-3 Gulden;
Mitl, lateinisch modius, Paffenhofener Maß , 185 Liter;
Scheffel, Scheffel, bayerischer Scheffel, 222 Liter;
Scharwerk, ursprünglich die unentgeltliche Arbeitsleistung des Grundholden für den Grundherrn; später gab es dafür auch eine geringe Entlohnung.

15. Schreibweise der Namen:
Es sei hier noch ein wichtiger Hinweis angebracht auf die Schreibweise der Namen. Es fällt sofort auf, dass die Namen von gleichen Personen oder gleichen Orten, selbst wenn sie zu gleicher Zeit auftreten, verschieden geschrieben werden.
Die Schreibweise ist jeweils der Vorliegenden Unterlage entnommen. Bei Verstiftungen sind dies im Allgemeinen die Salbücher, bei Verheiratungen die Pfarrmatrikel. Die Eintragungen wurden vielfach nach dem Gehör gemacht, da viele Leute noch nicht lesen und schreiben konnten. Urkunden waren im all- gemeinen nicht vorhanden.
Bei den Vornamen bevorzugt die Pfarrmatrikel die lateinische Schreibart, z.B. Joannes statt Johann, bzw. Hanns.
Verbindliche Schreibweisen haben sich erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts durchgesetzt. Erst von da an kann man von einer „richtigen“, bzw. „falschen“ Schreibweise reden.

Übernommen aus:
Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern Band II Scheyern – Ost