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Geschichte von Scheyern Teil II

6. Scheyern vom Beginn der Neuzeit bis zur Säkularisation

a) Scheyern im Dreißigjährigen Krieg

Die schwerste und nachhaltigste Erschütterung von der Errichtung des Klosters bis zur Säkularisation brachte sicherlich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Wenn im Salbuch um 1633 oder 1634 bei vielen Anwesen die kurze Notiz zu lesen ist “ hat es angefangen öd zu liegen“, oder „mair tot, alles verbrennt“, oder so ähnlich, dann verbirgt sich dahinter ein erschütterndes Bild von der Verwüstung, welche die Schweden angerichtet hatten. Nach dem ersten Schwedeneinfall wurde 1634 eine genaue Beschreibung der 521 zu Scheyern gehörigen Bauernhöfe verunstaltet. Von 42 Anwesen wurde überhaupt nichts mehr ermittelt, von den übrigen 479 lagen 300 öde, 57 waren abgebrannt; von 241 waren die Besitzer tot, von 50 waren sie fortgezogen. Nur auf 138 hausten sie oder ihre Angehören noch. Dabei ist zu bedenken, dass nach 1634 noch weitere 14 schwere Kriegsjahre folgten, in denen die Scheyerer Gegend von Feind und Freund – wenn auch nicht mehr so verheerend – heimgesucht wurde.
Bis zum Jahre 1634 war in Scheyern in zwei Jahren siebenmal geplündert worden, so dass kein Bissen Brot mehr zu finden war. Nur die Gebäude waren unter dem Schutz des hl. Kreuzes verschont geblieben.
Abt Stephan Reitberger musste 1633 nach Fischbachau fliehen und starb dort am 16. März 1634. Sein Nachfolger Abt Korbinian (1634-58) musste achtmal fliehen. Der Pfarrvikar P. ämilian, der mit dem Prior 1633 zurückblieb, wurde von den Schweden gefangen und konnte mit 100 Dukaten losgekauft werden. Eine kleine unscheinbare Grabplatte im Scheyerer Kreuzgang gibt einen weiteren Hinweis:
„Es starb Frater Johannes Hueber, Laienbruder, durch eine vielfältige schwere Verwundung, die ihm von einem schwedischen Soldaten zugefügt worden war, am 15. November 1633.“
Einige Beispiele mögen einen kleinen Einblick gewähren in die Schrecken dieser Zeit. Ein Mann war 1632 sieben schwedischen Reitern in die Hände gefallen, er sollte den Kirchenschatz des Klosters verraten. Da er sich weigerte, brachten ihm die Soldaten sieben Wunden bei. Da nahm er seine Zuflucht zu Gott, er möge ihn durch das hl. Kreuz schützen. Und siehe – er wurde gerettet. Am 22. Juni 1634, kamen nach Scheyern Reiter des Obristen von Werth. Anna Zeichinger, die Frau des Scheyerer Gerichtsschreibers, berichtet, sie habe sich mit ihrem Bruder Johann Strobel und der Schreinerstochter Agatha am so genannten Geisweg in einer Grube vor den Soldaten versteckt. Sie wurde entdeckt, schrecklich zugerichtet, an den Haaren gezogen, mit der Aufforderung 100 Reichstaler zu zahlen. Da sie es nicht konnte, wurde sie in den Klosterhof zur Pferdeschwemme geschleppt, wobei sie mit dem Pferd laufen musste. Die Arme wurde dreimal unter getaucht. In dieser Not rief sie: „0 Du hochheiliges Kreuz, steh mir bei und verlas mich nicht!“ Schließlich hätten sich die Soldaten zur Bäckerei gewendet, und es gelang ihr, sich ihm Kuhstall ( heutige Schenke ) zu verbergen.
1645 wurde Adam Widmann, Mesnersohn von Scheyern, vom Feinde an einem Strick aufgehängt, aber auf unerklärliche Weise vom Stricke befreit. Nachdem er zwei Tage lang hoffnungslos daniederlag, rief sein Vater Unsere Liebe Frau von Niederscheyern mit einem Gelübde an, und der Sohn erlangte wieder die Gesundheit. Ein Bericht des Scheyerer Abtes an den Bischof von Freising, vom 24. 1. 1649, besagt, dass nach dem ersten Schwedeneinfall in beiden Kirchen kein Schloss und kein Kasten ungeöffnet gewesen sei. Man habe außer einigen wenigen Einrichtungsgegenständen alles mitgenommen.

b) Abt Stephan Reitberger (1610-1634)
Bei aller Grausamkeit und Finsternis des Dreißigjährigen Krieges gibt es doch einige Lichtblicke. Zu diesen gehört die Persönlichkeit des Abtes Stephan Reitberger, die auch deshalb hier besonders erwähnt werden soll, weil er aus der jetzigen Gemeinde Scheyern, aus Euernbach stammt. An ihm bewahrheitete sich die alte geschichtliche Erfahrung, dass schwere Zeiten große Männer hervorbringen.
Die Chronik weiß von ihm zu berichten:
„Stephan Reitberger, aus dem Dorfe Euernbach geboren, trat im Jahre 1610, am 6. November, die Regierung des Klosters an. Nach dem Urteil aller. war er ein hervorragender Mann. Er war sowohl ein sehr genauer Wächter über eine strengere Ordenszucht als auch ein Mann, der durch Klugheit und weisen Rat sichtbar über die anderen hinausragte. Seine hohe Gestalt übertraf alle ringsum. Nicht nur zur Visitation der Klöster seines Ordens wurde er gesandt, sondern auch noch dazu auserkoren, als „Kommissar“ öffentliche Landesahngelegenheiten zu besorgen. Weiterhin scheute er keine Mühe, um sein Scheyern glänzender und geräumiger auszubauen. Die Chronik, die der Philosoph Conrad kunstgerecht zusammengefügt hatte, gab er im Jahre 1623, mit Anmerkungen versehen, in Ingolstadt heraus. Er sammelte eine Menge Geld, um die Basilika möglichst geräumig auszubauen. Die Ungunst der Zeit ließ sie jedoch als Beute in die Hände der schwedischen Soldaten fallen. Weiterhin war er nicht nur um das Wohl seines Klosters Scheyern besorgt, sondern arbeitete – wenn auch vergebens – darauf hin, die Klöster des ganzen Ordens in Bayern zusammenzuschließen und ihnen einen freieren und besseren Status zu verleihen. Um sich für bessere Zeiten vor dem Feind zu schützen, der Bayern durchschweifte und vor Begierde darauf bedacht war, alles zu rauben, zog er sich von Scheyern nach Fischbachau zurück. Dort, wo er wieder ein sicheres Leben führen konnte, ereilte ihn der Tod, dem niemand entfliehen kann (16. März 1634).“ In knappen Worten ist hier Persönlichkeit und Lebensschicksal von Abt Reitberger geschildert. Verschiedenes muss noch ergänzt werden. So geht die Umgestaltung der „Johanneskirche“ im Stil der Renaissance auf die Initiative von ihm zurück; desgleichen die berühmten farbigen Fürstenbilder an der Wand.

Trotz der Ungunst der Zeit verdoppelte sich der Konvent von 12 auf 24 Mönche –
nicht gerechnet die Laienbrüder. – Als Herzog Maximilian die Oberpfalz unter
seine Herrschaft brachte, wandte er sich an seinen „Freund“ Abt Stephan von
Scheyern mit der Bitte, einige Patres dorthin zu schicken, um das Land wieder
dem katholischen Glauben Zurückzugewinnen. So schickte der Abt „zur Ausübung
der Seelsorge an Neubekehrten“ drei Patres dorthin.
Seine Bemühungen um eine Vereinigung der bayerischen Benediktiner führten zu
nächst zu einer Versammlung von 20 äbten am 27. Juli 1627 in Scheyern, in der
die Statuten für eine Kongregation ausgearbeitet wurden. Leider blieben die Bemühungen wegen der Ungunst der Zeit zunächst ohne Erfolg. Erst einem der Nachfolger, Gregor Kimpfler (1658-1693), gelang es, zusammen mit dem Abt von St.
Emmeram, die „Bayerische Benediktinerkongregation“ ins Leben zu rufen. Diese hat
sich in der Folgezeit auf das beste bewährt.

c) Zwischen Licht und Finsternis
Die Zeit vor der Säkularisation ist gekennzeichnet durch sehr widersprüchliche Erscheinungen und Ereignisse. Auf der einen Seite können wir ein mächtiges Erstarken des religiösen Selbstbewusstseins feststellen, das vor allem sich zeigt im Barock und Rokokostil, in den viele Kirchen umgebaut oder neu errichtet wurden. Das Gesicht Bayerns, wie es sich heute zeigt, ist wesentlich davon geprägt. Diese Bauten sind auch äußerer Ausdruck der inneren Festigung der Kirche im Zeichen der Gegenreformation. In den Klöstern – auch in Scheyern – erleben wir einen großen inneren Aufschwung. Gerade sie zählten zu den Hauptförderern von Wissenschaft und Kunst. Auf der anderen Seite merken wir überall die Vorboten der kommenden Katastrophe, wie sie empfindlich spürbar wurde in der Aufklärung, Französichen Revolution und in den Napoleonischen Kriegen. Auch in Scheyern haben diese Ereignisse ihre Spuren hinterlassen, die wir teilweise heute noch sehen können. Die Sakristei erhielt unter Abt Cölestin Baumann, um 1697, durch Augsburger Künstler ihre herrliche Barockausstattung. Die schöne Kassettendecke dürfte jedoch früheren Datums sein. Die Klosterkirche erfuhr unter Abt Joachim Herpfer (1757 – 1770) um 1768/70 eine völlige Umgestaltung im Geschmack des Spätrokoko. Auch die Pfarrkirche St. Martin wurde, wie auf einen Stich von Anton Wilhelm Ertl zu sehen ist, in diesem Stil umgestaltet.
Die Förderung der Wissenschaft fand nicht nur im innerklösterlichen Bereich statt, wo um diese Zeit namhafte Gelehrte ihre Wirksamkeit entfalten, wie z. B. P. Ludwig Alteneder, P. Thaddäus Siber und Abt Martin Jelmiller, sondern auch durch den weiteren Ausbau der Volksschule. Selbst der Aufhebungskommissar musste 1803 zugeben: „Die Schull in Scheyern ist sehr wohl bestellt“.
Im Gegensatz zu dieser innerkirchlichen Erstarkung waren die politischen Ereignisse weniger erfreulich. Gerade durch die dauernden kriegerischen Einfälle wurde auch Scheyern und Umgebung sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Kürfürst Maximilian Il. Emmanuel, der „Blaue Kurfürst“, 1697/1726, verbündet sich im Spanischen Erbfolgekrieg (1701/14) mit Frankreich gegen österreich. Das bayerische Heer wird bei Höchstädt geschlagen; die österreicher sind an Weihnachten 1705 in München (Sendlinger Mordweihnacht). Im österreicher Erbfolgekrieg (1742/45) wird Bayern von den österreichern besetzt („Pandurenjahre“). Nach dem Ausbruch der Französochen Revolution, 1789, erfolgte 1796 der Einmarsch der Franzosen in Bayern. Es kam zu wechselvollen Auseinandersetzungen, die sich viele Jahre hinzogen; und die vor allem geprägt waren durch die Gestalt des Kaisers Napoleon. Ein Vorbote dieser schrecklichen Ereignisse war die P e s t, die gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges und auch nachher noch wütete. Innerhalb von zwei Jahren starben um 1647 allein, von 1000 Seelen – welche damals die Pfarrei Scheyern zählte – 210, also mehr als ein Fünftel. Vom 14. Sept. 1646 bis zum 10. Dez. wurden allein 38 Kinder hinweggerafft. Die Angst vor der Ansteckung war so groß, dass man die Leichen nicht mehr im Gottesacker beerdigte, sondern im Wald. So ruhen in den Wäldern bei Plöcking und Gurnöbach viele Pest-Tote. Die 10 Mirakelbücher von Niederscheyern, aber auch andere Unterlagen, geben reichlich Aufschluss über die Greuel, denen gerade die hiesige Bevölkerung in den Kriegsjahren ausgesetzt war. Im Spanischen Erbfolgekrieg musste der Konvent auf höhere Weisung fliehen. Nur P. Benedikt und P. Korbinian sollten bleiben. Die englischen und holländischen Soldaten gingen auf beide los, um sie zu erstechen. Nur mit Mühe konnten sie sich im Dunkel der Nacht retten. In der Klosterkirche wurden mehrere Kelche, Altartücher und Messgewänder geraubt. Einer Statue aus Gips wurde der Kopf abgeschlagen, einem hölzernen Muttergottes bild der Kopf gespalten. Bei dem letzteren handelt es sich vermutlich um die gotische Muttergottesstatue in der Frauenkapelle, bei der man der. Kopf ausbessern musste. Aus einem Mirakelbuch entnehmen wir: “ Maria Demmelmayr, Bierbräuin in Pfaffenhofen, stand dazumal in großen Sorgen, es möchte auch ihr Bauernhof, der Steppbergerhof in Mitterscheyern, angezündet oder geplündert werden. In solchen Umständen wusste sie kein besseres Mittel, als aß sie ihren Hof samt den Schafen und allem Zubehör in den Schutz Unserer lieben Frau von Niederscheyern empfahl mit dem Gelübde, so viel gezogenes Wachs dort zu opfern, als der Hof lang und breit sei und eine hl. Messe lesen zu lassen.“ – Eine Person verlobte sich bei einem feindlichen Einfall, als sie in Gefahr war, die einzige Kuh zu verlieren, dass sie das erste Kalb von dieser Kuh für das Niederscheyerer Gotteshaus schenken wolle. Ihre Kuh blieb unversehrt und dem Gelübde gemäß hat sie das versprochene Kalb abgelöst mit 1 Gulden und 44 Kreuzern. – Anna Eberlochner auf dem Schauerhof (unterer Radlhof), deren Mann als Spion 1744 erschossen werden sollte, und Johann Michl, Bauer vom Washof, durch dessen Hof zweimal mehrere tausend Mann feindlicher Truppen zogen, und der befürchten musste, seine vier Pferde zu verlieren, fanden bei der Muttergottes von Niederscheyern Hilfe.Als 1715 der zehnjährige Krieg beendet war, hielt der Abt vor ausgesetztem Allerheiligsten ein Bankamt. Der Krieg hatte der Grafschaft Scheyern furchtbare Lasten auferlegt, unter anderem mussten mehr als 20 000 Gulden Brandschatzung bezahlt werden.Auch im österreichischen Erbfolgekrieg mussten mehrmals mehrere tausend Gulden Brandschatzung entrichtet werden. Am 15. April 1745 kam es bei Gneisdorf zu einem Gefecht zwischen – österreichern und Bayern. Scheyern sollte geplündert werden; schon waren 30 Panduren mit drei Wagen von Pfaffenhofen erschienen. Jedoch der österreichische Rittmeister Lyptai, der verwundet im Kloster lag, verhinderte die Plünderung. Die Karwoche 1745 war für Scheyern eine Schreckenswoche. An die 10 000 Mann bayerischer Truppen besetzten Scheyern und Umgebung. Am Gründonnerstag nahm die feindliche Artillerie Pfaffenhofen unter Feuer. Die Bayern mussten sich vor dem mehrfach überlegenen Feind über Niederscheyern, Gneisdorf, Grainstetten in Richtung Schrobenhausen zurückziehen. P. Ludwig Alteneder und P. Innozenz Hözer begaben sich nachmittags nach Froschbach und Edenhub, um verwundeten und sterbenden Soldaten, etwa 15 – 17 an der Zahl, die Sakramente zu spenden. ähnlich schwer heimgesucht wurde die Bevölkerung während der Nalpoleonischen Kriege, 1796-1809. Am 27. August 1796 kamen die ersten 3 französischen Reiter. Es folgte Einquartierung auf Einquartierung. Der Abt tat alles, um für die Umgebung die Lasten zu erleichtern. Er machte: dem kommandierenden General St. Cyr, der im Pfaffenhofener Pfarrhof einquartiert war, einen Besuch, Pektorale und Ring verbergend. Als der Abt sich vorstellte, fragte der General: „Wo haben Sie Pektorale und Ring ?“ Da zog der Abt beides aus der Tasche. Der General legte dem Abte die Kette um den Hals und sagte: „Das können Sie ruhig tragen'“; und er versprach, Ort und Kloster zu schützen. Am 18. Sept. kamen 6 kaiserliche Ritter nach Scheyern, um Brot, Fleisch, Haber und Geld für ihre Mannschaft zu erpressen. Im Gasthaus Harter kehrten sie ein. Einige beherzte Männer von Scheyern wollten sie gefangen nehmen. Diese schlugen sich jedoch mit gezogenem Säbel durch. Der Krämer Martin Kaill feuerte eine Pistole ab, ohne zu treffen. Am Nachmittag kam eine Abteilung von 50 Reitern nach Scheyern zu einem Strafzug. Nach langen Verhandlungen erwirkte der Abt von den Offizieren Gnade für den Ort Scheyern. Nur zwei Fuhren Brot, Fleisch, Haber, und auch Geld mussten geliefert werden. Alle dankten Gott, dass die Sache so gut hinausgegangen war. – Von dieser Zeit an sind in der Pfarrkirche das „All gemeine Gebet“ mit fünf Vaterunser und auf Neujahr die Anbetung des Allerheiligsten eingeführt worden. Im Januar 1798 wurde in den Klosterräumen von den österreichern für einige Wochen ein Seuchenlazarett eingerichtet. Fünf Soldaten starben. Sie wurden in der Sandgrube „außerhalb dem Abdecker zwischen dem Ludwig- und Seebacher-Point“ begraben. Der Jäger Kirmaier, dem schon seit einem Monat die Pferde samt dem Knecht beschlagnahmt waren, entlehnte beim „Mair“ in Fernhag zwei Pferde, um das Mehl in der Mühle zu holen. Er wurde von Soldaten aufgegriffen und musste mit den entlehnten Pferden bis Donauwörth fahren, wo er unter Zurücklassung der Pferde heimlich floh. Zum Grubbauer – bei Edersberg – kamen drei französische Füsiliere, die Milch wollten. Ein zufällig anwesender Nachbar holte gleich einige starke Männer herbei, welche die Franzosen angriffen, da sie glaubten, sie hätten den Hof plündern wollen. Es entstand ein hitziger Kampf, bei dem die Franzosen unterlagen. Einer zog noch sterbend den Rosenkranz. Die Franzosen wurden im Wald verscharrt. Der Grubhofbauer, ein braver Mann, wurde verhaftet und saß 1 1/2 Jahre in Untersuchungshaft. Die Sache kam bis nach Paris. Schließlich wurde er freigesprochen, wegen Mangel an Beweisen. Noch im Frühjahr 1809 wurde in der Scheyerer Gegend gekämpft. Am 19. April in der Frühe begannen die österreicher und Franzosen ein Gefecht zwischen Mitterscheyern und Pfaffenhofen. Die österreicher hatten die Höhen bei den Radlhöfen besetzt, die Franzosen die Felder und das Gehölz bei Mitterscheyern, Fürholzen und Holzried. Die Franzosen waren zahlenmäßig überlegen. Trotzdem hielten die unterlegenen österreicher drei Stunden Stand. Ein gefallener österreicher wurde in Niederscheyern begraben. Abends 8 Uhr brach durch die Franzosen beim Ebner in Fürholzen Feuer aus. An den Befreiungskriegen (1813/15) nahmen auch Soldaten aus der Pfarrei teil, so Jakob Reichart von Grainstetten ( beim Jakl ), Martin Neumayer von Gurnöbach (Hansbauer), Josef Thumann von Fürholzen, Jakob Merkl ( wahrscheinlich Möckl) von Winden und Bartholomäus Schober von Grainstetten (beim Seiz). Sie wurden 1849 vom Landgericht in besonderer Weise geehrt.

Nach der Schlacht bei Hohenlinden, l. Dez. 1800, bei der General Moreau einen
Sieg über die Bayern errang, mussten auf seine Anordnung 6 Millionen Taler Kontribution gezahlt werden. Auf kurfürstlichen Befehl hin musste dazu auch das Kirchensilber herhalten. Auch die berühmte Scheyerer Kreuzmonstranz
wurde auf einem Wagen nach München zum Einschmelzen geschickt. Im Auftrag
der Gemeinde Scheyern wurde Matthäus Eberl, Kreidenbauer, und im Auftrag der
Grafschaft Scheyern Paul Thurner von Vieth (Wilhelm) zusammen mit dem Gemeindevorsteher Damasus Kirmaier nach München zur „Münze“ geschickt, um die Monstranz vor dem Einschmelzen zu bewahren. Die umliegenden Gemeinden hatten Geld gesammelt zur Einlösung. Die Münzbeamten forderten, genau nach dem Gewicht, 697 Gulden. Da die Scheyerer etwa 200 Gulden zu wenig hatten, ging Kirmaier nochnachts zu seinem Schwager Gerbl nach Thalkirchen, der ihm das fehlende Geldvorstreckte. Man kann sich denken, mit welcher Freude die drei mutigen Männer in Scheyern begrüßt wurden, als sie die Monstranz, zusammen mit dem Pontifikalkelch, unversehrt zurückbrachten. Deshalb wurde in einer eigenen Urkunde die Monstranz als Eigentum der Pfarrgemeinde erklärt.

7. Die Säkularisation

a) Ursachen und Hintergründe – die ersten Ereignisse
Die Säkularisation, die Aufhebung des Klosters, traf den Konvent und die Pfarrei Scheyern, wenn auch nicht ganz unvorbereitet, so doch wie ein vernichtender Blitz. Sicherlich gab es gelegentlich innere Schwierigkeiten. Aber im Allgemeinen kann man feststellen, dass der innere Zustand der Klöster intakt war. Allein die regelmäßig abgehaltenen Generalkapitel und die Mitgliederzahlen beweisen dies. Jede mittlere der 19 Abteien der Bayerischen Benediktinerkongregation zählte das ganze 18. Jahrhundert hindurch 20 bis 30 Konventualen. Der Nachwuchs und das Kommunoviziat waren stets normal. Künstlerisches und wissenschaftliches – auch naturwissenschaftliches – Schaffen standen in hoher Blüte. Die bedeutenden Barock- und Rokokokünstler, wie die Gebrüder Asam, Ignaz Günther, die Feichtmeyer, sind gerade durch die Benediktinerklöster stark gefördert worden. Aus einzelnen Klöstern, wie gerade aus Scheyern, und St. Emmeram in Regensburg, gingen hervorragende Mathematiker und Physiker hervor. Die eigentlichen Gründe der Säkularisation lagen mehr im äußeren Bereich, in den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Zunächst ist der Geist der Aufklärung zu nennen, der eine weit um sich greifende antikirchliche und darum auch antiklösterliche Stimmung erzeugte. Diesem Geist schien es unverständlich, dass Klöster in erster Linie für Gebet und Gottesdienst da sein sollten. Von Seiten der Klöster suchte man dem zu begegnen, indem man neben dem Gottesdienst auch die Wissenschaften förderte. Ausschlaggebend aber waren die politischen Ereignisse. Im Frieden von Campo Formio 1797, musste Bayern die linksrheinischen Gebiete abtreten. Als Entschädigung dafür wurde auf dem Frieden von Lun´eville, 1801, bestimmt, dass alle Reichsfürsten, die Besitztümer verloren hatten, dafür vom Reich „entschädigt“ werden sollten. Zur Abwicklung dieser Entschädigung wurde eine „Reichsdeputation“ eingerichtet, die ihrerseits im „Reichsdeputations – Hauptschluss“, 1803 in Regensburg, die Aufhebung aller Klöster verfügte. Dabei ließ man sich von überspannten Vorstellungen über die „riesigen Reichtümer“ der Klöster leiten. Erst später erkannte man den Irrtum, dem man verfallen war. Allein das Massenangebot an Gütern, wie z. B. Kirchengeräten, ließ deren Wert rapide sinken, so dass man froh war, den reinen Materialwert dafür zu bekommen. Die Aufhebung geschah meist unter unwürdigen Begleiterscheinungen. Ungeheuer viel Kulturgut wurde dabei vernichtet.
In Scheyern erschien am 5. November 1802 der kurfürstliche Aufhebungskommissar, Reichsedler Simon von Zwackh, und eröffnete dem Konvent, dass das Stift bis auf weiteres in landesherrliche Administration genommen werde. Die Beamten und Diener des Klosters erklärte er aller ihrer Verpflichtungen gegenüber der bisherigen Herrschaft entbunden und vereidigte sie für den Kurfürsten. Archiv, Bibliothek und Sammlungen wurden unter Siegel gelegt, sämtliche Gelder, Papiere und Rechnungen beschlagnahmt. Obwohl der Kommissär sicher kein Freund des Klosters war, musste er in Scheyern die wohlgeordnete Verwaltung, die vorzügliche Schule anerkennen. Von den 26 Kapitularen des Klosters übernahmen die meisten eine Pfarrstelle. Zehn Patres blieben in Scheyern und fanden in Privathäusern eine Unterkunft, wo sie – so weit es ging weiterhin ein gemeinschaftliches klösterliches Leben führten. P. Anton Holzer wurde der erste Pfarrvikar, dem bald darauf P. Joachim Furtmayr folgte, der es bis zur Wiedererrichtung im Jahre 1838 blieb. P. Thaddäus Siber wurde später an der Universität München erster Ordinarius für Physik. Es ist nur zu bedauern, dass die ehemalige Pfarrkirche St. Martin im Jahre 1805 abgerissen wurde.

b) Der Abbruch der Pfarrkirche St. Martin
Zu den empfindlichsten Maßnahmen der Säkularisation zählt der Abbruch der Pfarrkirche St. Martin. Am 21. März 1803 wurde das Kloster Scheyern aufgehoben und ging mit allen Gebräulichkeiten, Grund und Boden in landesherrlichen Besitz. Vom 29. März bis 15. April 1803 wurden sämtliche Gebäude des Klosters von Zimmermeister Karl Nigg und Maurermeister Georg Bürkel abgemessen nach Länge, Breite und Höhe und deren „damaliger Wert“ und „Wert bei Abbruch“ abgeschätzt. Diese Gebäude standen in den kommenden Wochen zum Kauf feil. Die Pfarrkirche wurde nicht abgemessen und auch nicht geschätzt, wohl in der überzeugung, dass sie vorläufig nicht feilgeboten wird. Die Größe der Pfaffkirche lässt sich aber trotzdem ziemlich genau festlegen durch die Fundamente, die dem Totengräber im Einzelfall sehr zu schaffen machen. „Nach seinen Angaben ergibt sich eine Breite von 11 m bei einer Länge von 22 m. Dem entspricht auch eine Rekonstruktion auf der Basis der Kirchenstuhlordnung von 1774. Danach waren es 256 Männer- und 200 Frauen-Sitzplätze“ (Pfarrarchiv 00-503). – Sie war also verhältnismäßig geräumig, wenn man vergleicht, dass die damalige Klosterkirche, einschließlich Marienkapelle, nur 400 Kirchenstuhlplätze aufwiesen. Die Innenausstattung der Pfarrkirche St. Martin wurde, wohl unter Abt Benedikt Meyding (1709-22), im Barockstil ausgeführt. – Nach dem Abbruch kamen Hochaltar und Kanzel nach Pörnbach, die beiden Seitenaltäre nach Gerolsbach, wo sie später verbrannten. Das Hochaltarbild, den hl. Martin darstellend, befindet sich in der Klosterkirche.
Am 12. Juni 1804 wurde das Angebot des Bierbräuers Stangl protokolliert, das gesamte „Klosterareal“ für die Pauschalsumme von 19 000 Gulden zu kaufen. Bereits am 14. Dezember 1803 war verfügt worden, alle entbehrlichen Glocken an Ort und Stelle öffentlich zu versteigern. Auf diese Weise wurden 1805 durch den Glockengießer Regnand von München „die größeren drei Glocken aus dem hiesigen Klosterkirchturm und die größere aus dem Pfarrkirchturm weggenommen“. Der Klosterbesitzer Joseph H. Stangl hatte die Pfarrkinder mit dem Versprechen eingeschläfert, er werde für die Erhaltung des Geläutes sorgen; war aber dann am Tage, wo der Glockengießer kam, eilends abgereist. Am 7. Oktober 1805 wurde festgelegt, dass die Klosterkirche nunmehr Pfarrkirche werde, während die St. Martinskirche abgerissen werden sollte. P. Joachim Furtmayr schreibt darüber „Für die ehemalige Pfarrkirche soll Stangl 600 Gulden bezahlt haben, um welche Summe er sie bald wieder an Simon Thurner, Pfab – Bauer zu Fürholzen, und Anton Schoettner, Bauer zu Oed (Ebner-Fürbolzen), verkaufte, mit der Bedingniß, nämlich die jetzige Selkapelle stehen zu lassen, das übrige aber zu demolieren.“ – Die Bauern wollten am kommenden Tag vom Kauf wieder zurückstehen, was das Landgericht ablehnte. Der Abbruch des Turmes wurde in Akkord gegeben und im Herbst, 1805, wie ein Baum gefällt. Es war „wie ein kleines Erdbeben, auf eine Stunde hat man ihn gehört, die Gottesackermauer und die Kreuze an den Gräbern wurden zerschlagen“. Im Winter 1805/06 wurde dann die Kirche abgebrochen, die Steine der Kirche fanden beim Neubau der Volksschule in Scheyern im Jahre 1807 Verwendung. Mit diesen Vorgängen verknüpft ist auch die Frage, wer nun der Eigentümer der früheren Klosterkirche ist, nachdem sie 1805 als Pfarrkirche erklärt worden ist. Nach dem Ausweis des Amtsgerichtes Pfaffenhofen war die ehemalige Klosterkirche nach der Aufhebung des Klosters Eigentum der Pfarrkirchenstiftung Scheyern, und blieb es auch nach der Wiedererrichtung des Klosters, im Jahre 1838. Dem Kloster steht andererseits das Recht zu, die Pfarrkirche und die dazugehörigen Räume, auch Turm mit Geläute, zu rein klösterlichen, gottesdienstlichen Zwecken zu benutzen.

c) Aufhebung der Grundherrschaft – „Bauernbefreiung“
Bereits lange vor der Säkularisation hatte die „Lebensherrschaft“ eine Form erreicht, das eine fast völlige Eigentumsrecht der Bauern an Grund und Boden gleich kommt. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg, aber in verstärktem Maße nachher, trieben die Bauern mit Grundstücken, aber auch mit ganzen Anwesen einen regen Handel. Die formelle Erlaubnis des Grundherrn dazu war eine Selbstverständlichkeit. Auf diese Weise konnte auch die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges bald überwunden werden. Mit der Verleihung der Anwesen auf „Leibgedingsgerechtigkeit“, d.h. auf Lebenszeit begann sich allmählich ein faktisch geübtes Erbrecht durchzusetzen. Dies lässt sich genau feststellen an den einzelnen Besitzern der Anwesen. Sehr aufschlussreich sind darüber auch die Briefprotokalle, die sich vorwiegend befassen mit- übergaben und Vererbungen, und die von etwa 1640 bis 1803 fast lückenlos vorhanden sind.
Mit der Aufhebung der Klöster wurden die Bauern nicht von selbst Eigentümer. Das „Obereigentum“ ging vielmehr von den Klöstern auf den Staat über. Die Bauern mussten weiterhin jährlich ihre Gilten abliefern. So lieferte der „Haimerl-Hof“ von Wolfsberg, der 1697 eine Gilt von 16 Gulden 52 Kreuzer 2 Pfennigen zu entrichten hatte, die gleiche Summe auch 1838 ab. Dazu kam noch eine Zusatzsteuer von 8 Gulden 49 Kreuzer 3 Heller, was wohl durch die allgemeine Preissteigerung verursacht ist. Man erwartete nun, dass die Bauern das Obereigentum des Staates ablösen. Schon 1803 hatte dies der Staat angeboten. Er hoffte, auf diese Weise schnell zu dem dringend notwendigen Geld zu kommen. Davon wurde jedoch, infolge der hohen Ablösungssumme kaum Gebrauch gemacht. Deshalb ging man 1834 dazu über, die Ablösungssumme in freiwillige Bodenzinse umzuwandeln, die eine langfristige Lauf zeit vorsahen. So sollte das „Haimerl-Anwesen“ von Wolfsberg jährlich 46 Gulden 54 Kreuzer 4 Heller zahlen, dann würde der Hof in 34 Jahren sein alleiniges Eigentum sein. Ob der Besitzer des Anwesens darin eingewilligt hat, ist nicht überliefert. Allgemein fanden auch diese oder ähnliche Angebote des Staates wenig Gegenliebe. Daher erzwang der Staat 1872 durch Gesetz die Umwandlung der Ablösungssumme in Bodenzinse. Erst 1898 wurden alle Bauern, auch diejenigen die noch Bodenzins pflichtig waren, voll Eigentümer ihrer Anwesen. *) Noch auf eine Folge der „Bauernbefreiung“ muss hingewiesen werden. Während früher nur selten ein Anwesen geteilt wurde, weil sie existenzfähig erhalten bleiben sollten, konnte dies jetzt leichter geschehen. Auf diese Weise vergrößerten sich einige Ortschaften sprunghaft. So vermehrte sich: zum Beispiel in Fernhag, vor allem durch Aufteilung des „Mayer-Anwesens“ die Zahl der Häuser, bis um 1900, von etwa 16 auf 40 . Obwohl sich bei der „Bauernbefreiung“ nicht alle Wünsche und Vorstellungen der staatlichen Instanzen erfüllten, trauert sicher heute keiner mehr der Lebensherrschaft nach. Sie war ein notwendiges Durchgangsstadium, um die Bauern im Laufe der Jahrhunderte zu immer größerer Selbstverantwortung heranzubilden. Für das Kloster Scheyern wurde die Grundherrschaft über etwa 800 Anwesen, die weit verstreut in den Landkreisen Pfaffenhofen, Dachau, Schrobenhausen und Aichach waren, und sich bis ins Gebirge bei Fischbachau erstreckten, zu einer immer größeren Belastung so dass keiner mehr diese Zustände herbeisehnt.
*) Vergleiche hierzu: Sebastian Hiereth, Die bayerische Gerichtsbarkeit und Verwaltungsorganisation vom 13. bis 19. Jahrhundert; Begleitheft zum Historischen Atlas von Bayern.

8 . Von der Wiedererrichtung des Klosters bis zur Gegenwart

a) Wiedererrichtung des Klosters
Die Aufhebung des Klosters war auch über die Bevölkerung, die von den Kriegswirren arg bedrängt wurde, wie ein fatales Verhängnis hereingebrochen. Aus vielen Begleitumständen ist ersichtlich, dass sie sich innerlich dagegen sträubte. Die Beamten und Diener waren bereits am 5. November 1802 von ihren Verpflichtungen entbunden worden. Für die Untertanen der Hofmark dauerte es bis zum 18. August 1803, bis sie offiziell vom nicht mehr bestehenden Kloster gelöst wurden. Für viele Angestellte bedeutete dies auch den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Sie mussten sich mit einer bescheidenen Rente zufrieden geben. Die Klosterrealitäten erwarb – wie bereits vermerkt – der Bierbrauer Hermann Stängl aus Pilsting a. d. Isar, der jedoch bereits am 13. September 1809 starb. Die Witwe vermählte sich mit Alois Käser, der sich am 31. März 1819 wegen finanzieller Schwierigkeiten das Leben nahm. Im Jahre 1821 kaufte der sächsische Freiherr Gottfried von Langenthal den Besitz um 85 000 Gulden auf. Aber bereits ein Jahr später konnte er ihn, mit Gewinn, an seinen Landsmann Baron Moritz von Taube abtreten. Jeder Besitzer suchte möglichst viel aus dem Gut herauszuholen und ließ dabei die zum großen Teil unbewohnten Gebäude verfallen. In wenigen Jahren war Scheyern nicht nur geistig, sondern auch äußerlich zur Ruine geworden. Auch in den übrigen Klöstern erwies sich die Aufhebung als großer Fehler. Die Staatskasse begann immer leerer zu werden, anstatt sich zu füllen. Bereits nach wenigen Jahren musste König Max I. eingestehen: „Was sind wir für Esel gewesen, dass wir so mit den Klöstern umgingen!“ Dazu gesellten sich noch die Wirren der Napoleonischen Kriege und sonstige Katastrophen. So musste die Regierung am 10. August 1816 wegen einer großen Missernte anordnen, dass an Sonn- und Feiertagen von 6 bis 12 Uhr das Allerheiligste ausgesetzt werde. Auch wurden die vorher verbotenen Bittgänge „wegen im heurigen Jahre vorherrschender übler Witterung ausnahmsweise“ an Sonn- und Feiertagen erlaubt. So kam es, dass 1817 in einem Konkordat zwischen dem Hl. Stuhl und dem Königreich Bayern zugebilligt wurde, dass „einige Klöster monastischer Orden beiderlei Geschlechts mit entsprechender Dotation wiedererrichtet werden“. Besonders König Ludwig 1. setzte sich persönlich mit großer Tatkraft, auch gegen den Landtag, für die Errichtung der Klöster, und insbesondere für Scheyern ein. Am 1. Oktober 1838 wurde Scheyern, zunächst als Propstei, feierlich wieder er öffnet, von der Bevölkerung freudig begrüßt. König Ludwig bestimmte den Prior von Metten, P. Rupert Leiß, zum Propst von Scheyern, der dann 1843 auch zum ersten Abt ernannt wurde. Zum Zeichen seiner besonderen Verbundenheit mit dem Grab seiner Ahnen wollte König Ludwig in Scheyern, laut Stiftungsurkunde, auch ein Mausoleum, eine Begräbnisstätte für seine Familie errichten. Aber aus verschiedenen Gründen konnte dieses Projekt nicht verwirklicht werden. Die Pfarrseelsorge lag während der Jahre der Aufhebung in den Händen von P. Anton Holzer, bis zum Jahre 1805, und dann von P. Joachim Furtmayr, der sie bis November 1838 betreute. Dann übernahm sie, bis 1840, P. Gregor Scherr, später Abt von Metten und Erzbischof von München-Freising.

b) Die Pfarrseelsorger – von 1803 bis zur Gegenwart

1803-1805
1805-1838
Juni-Nov. 1838
– 1840
1840-1842
1842-1850
1850-1862
1862-1870
1870-1872
1872-1879
1879-1896
1896-1899
1899-1907
1907-1912
1912-1913
1913-1916
1916-1927
1927-1936
1936-1943
1943-1946
1946-1968
1968-1982
ab 15. 9. 1982
P. Anton Holzer
P. Joachim Furtmayr
P. Gregor Schert, später Abt von Metten
P. Xaver Sulzbeck aus Zenching, später Prior in Weltenburg;
P. Petrus Lechner, Dr. Theol., aus Pfaffenhofen, später Prior;
P. Max Duschl;
P. Ludwig Muggendorfer;
P. Max Duschl ( zum zweiten Mal )
P. Rupert Mutzl, aus Landshut
P. Martin Josef;
P. Anton Sanktjohannser aus Lenggries;
P. Raphael Barth;
P. Anton Sanktjohannser (zum zweiten Mal) ;
P. Laurentius Hanser;
P. Rupert Datz;
P. Anton Sanktjohannser (zum dritten Mal);
P. Jakobus Pfättisch; hernach Abt von Plankstetten;
P. Franz Schreyer; hernach Abt von Scheyern;
P. Maurus Dick;
Dr. P. Bernhard Walcher;
P. Beda Parzinger;
P. Franz Gressierer;
P. Engelbert Baumeister;

c) Die Abtei nach der Wiedererrichtung
Die ersten Anfänge des Klosters waren äußerst mühevoll. Meist traten bereits geweihte Priester in das Kloster ein. Der erste Abt Rupert Leiß (1838-1872) konnte trotz der bestehenden Personalnot bereits 1840 eine Lateinschule errichten, die 1859/60 in ein Erzbischöfliches Knabenseminar umgewandelt wurde. 1847 wurde der einstige Pfarrer P. Petrus Lechner nach Nordamerika geschickt, wo P. Bonifaz Wimmet von Metten in St. Vinzenz in Pennsylvanien eine Missionsstation errichtet hatte. – Abt Rupert Leiß war ein frommer, nüchterner und praktischer Mann, dem hochfliegende Pläne fern lagen. Als er von dem Plane erfuhr, dass die neue Eisenbahn München-Ingolstadt über Jetzendorf-Scheyern führen sollte, ruhte er nicht, bis es ihm und dem Baron von Jetzendorf gelungen war, dieses „Unglück“ von ihren Ortschaften abzuwenden. – Als er starb, zählte der Konvent 27 Mitglieder. Unter der Regierung von Abt Rupert 11. Mutzl (1872-1896) konnte das Kloster an die Bewältigung weiterer Aufgaben herangehen. Zu den Baumaßnahmen zählen: die Verlängerung der Stiftskirche mit gleichzeitiger Umgestaltung im Nazarener-Stil; der Umbau der Studienanstalt, Neubau der Seminarkapelle und Erbauung der Turn halle.
Unter dessen Nachfolger Abt Rupert III.. Metzenleitner (1896-1922) erreichte der Personalstand einen solchen Höhepunkt, dass nicht nur in Scheyern selber die Zahl der Religiösen sich von 30 auf 60 verdoppelte, sondern außerdem noch die Klöster Ettal (1900) und Plankstetten (1907) neu besiedelt werden konnten. – in seine Regierungsjahre fällt auch der 1. Weltkrieg, bei dem die Glocken abgeliefert werden mussten. Nach dem Krieg wurde ein neues Geläute angeschafft, das zum ersten Male erklang am 25. Juli 1921 zur Feier des 25jährigen Abtjubiläums. Schon nach sieben Monaten, am 22. 2. 1922 verkündeten dieselben Glocken den seligen Heimgang des Abtes Rupert III.

d) Scheyern in den beiden Kriegen 1870/71 und 1914/18. Die Zahl der Kriegsteilnehmer aus der Pfarrei beim Krieg 1870/71 lässt sich nicht mehr genau feststellen. Gefallen sind von der Pfarrei 7 Mann. Das erste Kriegsopfer war wohl Benno Osterhuber, verwundet am 30. August 1870 bei Beaumont. Es folgte der Lehrerssohn Karl Furtmayr, Vicekorporal im 4. Cheveauxlegers Regiment König, verwundet am 9. Nov. 1870. – Bezeichnend für die Stimmung in Bevölkerung ist auch, dass sie mit großer Opferfreudigkeit viele Lebensmittel für das Hilfslazarett spendete, das in der Schenke eingerichtet wurde. Zu-Beginn des 1.Weltkrieges meinten viele Teilnehmer, der Siegesmarsch ginge mit fliegenden Fahnen ähnlich wie beim Krieg 1870/71. Doch sehr bald setzte sich die bittere Enttäuschung ein. Nach vorsichtiger Schätzung mussten aus der Pfarrei etwa 500 Mann einrücken. Von diesen sind 106 gefallen. Die Namen sind in der Friedhofskapelle aufgezeichnet. Auch das Kloster hatte den Krieg schwer zu spüren bekommen. Am Jahresende 1914 zählte es 26 Patres und 31 Brüder. Von ihnen wurden etwa 20 eingezogen, 5 sind gefallen. Während Krieges unterhielt das Kloster ein Lararett mit 30 Betten, ein ganzes Jahr ohne jegliche Entschädigung. Die Pflege der Soldaten übernahmen Angehörige des Klosters, die insgesamt in 26 302 Verpflegungstagen 841 Heeres angehörige betreuten. An Geldspenden zur Betreuung der Verwundeten wurden mindestens 17 150 Mark aufgebracht. Die Summe, die in Form von Liebesgaben verschickt und verteilt wurde, beläuft sich schätzungsweise auf 15 000 Mark. Während des Krieges wurden bei einzelnen Bauern und auch im Kloster Kriegsgefangene beschäftigt. Die Erfahrungen, die mit ihnen gemacht wurden, waren sehr unterschiedlich, die nicht verallgemeinert werden dürfen. Das Kloster erhielt 1916 6 Franzosen, die sich nicht gut bewährten. Zwei von ihnen flohen, wurden aber wieder aufgegriffen.

– Zu Holzarbeiten wurden im Forst von 1917 an 8 Italiener beschäftigt. Sie waren fleißig und genügsam, dabei immer guten Mutes. Im Winter 1918/19 waren 10 russische Kriegsgefangene als Holzfäller und Landwirtschaftliche Helfer beschäftigt. Der ökonom P. Paul spendete ihnen volles Lob. Gutmütig verrichteten sie ihre Arbeiten und hielten bis zum letzten Tag bei der Dreschmaschine aus; sie haben die ganze Ernte des letzten Kriegsjahres ausgedroschen. Als sie im Februar 1919 in ein Sammellager nach Erlangen beordert wurden, baten sie in einem Brief an P. Paul, sie wieder anzufordern, weil es ihnen in Scheyern so gut gefallen habe. Auch von den unmittelbaren Folgen des Krieges wurde Scheyern in Mitleidenschaft gezogen. – Als nach der Ermordung Eisners in München 1919 die Räterepublik ausgerufen wurde und von Bamberg her die „Weiße Garde“ gegen München zog, schien es, als ob unsere Gegend Mittelpunkt des Kampfes würde. In einer Nacht es wird in der Karwoche gewesen sein Telefonierte der Befehlshaber der „Weißen“ von Pfaffenhofen her an Abt Rupert III., dass Gerüchten zufolge 80 000 Mann der „Roten“ nach Scheyern anrückten, wo man König Ludwig 111. vermutete. Sie kamen aber nicht. Eine weitere Folge war die Inflation 1922/23. Im Juli 1922 forderte der Drucker des Verkündzettels eine Nachzahlung von 3 Mark oder 1 Ei. Am 7. Sept. 1923 kostete 1 Zentner Hopfen 2 Milliarden Mark, am 10. Dez. bereits 300 Milliarden. – Im Juli 1923 waren in München für eine Trambahnfahrt 1000 Mark zu bezahlen. – Das Porto für eine Postkarte betrug 1920 30 Pfennige, im Juli 1922 150 Pfennige, im Juli 1923 120 Mark, im November 1923 40 Milliarden Mark. Damit war der Höhepunkt erreicht. Im Dezember 1923 sank dann der Preis auf 0,05 Mark. Es kehrten wieder normale Verhältnisse ein.

e) Die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft
Es ist hier nicht möglich, das dramatische Geschehen dieser Jahre, wie es sich in Scheyern abgespielt hat, in wenigen Worten zu schildern. Markante Gestalten in Scheyern bei den Auseinandersetzungen zwischen Kloster und Pfarrei auf der einen Seite und den Instanzen von Partei und Regierung auf der anderen, sind Abt Simon Landersdorfer, ab 1936 Bischof von Passau, und der Pfarrer und nachmalige Abt Franz Schreyer. Die politischen Ereignisse greifen zu tief st in die Bevölkerung hinein.
– Die Weltwirtschaftskrise, 1929 erschüttert schwer das soziale Gefüge und lässt die Zahl der Arbeitslosen bis 1932 auf über 6 Millionen anwachsen:
– Reichskanzler Müller, ein Sozialdemokrat, kann im März 1930 eine Beitragserhöhung zur Sozialversicherung nicht mehr verhindern und wird deshalb von seinen Parteigenossen abberufen.
– Am 29. März 1930 wird Brüning (Zentrum) mit der Bildung einer Regierung beauftragt. Er kann sich jedoch nur auf eine Minderheit stützen, und muss deshalb mit Notverordnungen das Staatsgefüge zusammenhalten.
– In dieser Situation sucht man in Neuwahlen, am 14. Sept. 1930, eine Lösung. Sie bringen jedoch einen starken Zuwachs der radikalen Parteien. Die Zahl der Mandate bei den Nationalsozialisten steigt von 12 auf 107.
– Innerhalb eines Jahres, vom 13. März 1932 bis 5. März 1933 müssen die Bürger 6-mal zur Wahl gehen.
– Bei der letzten Wahl, am 5. März 1933, erringt Hitler, zusammen mit der Partei Schwarz-Weiß-Rot mit 52 % die absolute Mehrheit, nachdem er bereits am 30. Januar von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden war.
– Damit waren die Würfel gefallen. In den ersten Jahren konnte Hitler zwar einige Erfolge erringen in der Belebung der Wirtschaft und in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Aber bald wurde immer deutlicher, dass seine ganze Politik auf Krieg und Expansion ausgerichtet war. Dabei unterdrückte ein Terrorregime jede Regung eines Widerstandes. Mehrere Versuche, Hitler zu stürzen, scheiterten. Der bekannteste ist das Attentat vom 20. Juli 1944. So war der jähe Zusammenbruch unvermeidlich, der am B. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation seinen Ausdruck fand.
Wie hat nun die Bevölkerung von Scheyern diese Jahre erlebt? Die eigentliche Entscheidung, bei der das Volk noch mitreden und mitwirken konnte, wurde vor 1933 gefällt. Gerade in diesen entscheidenden Jahren wurde der damalige Pfarrer P. Franz Schreyer nicht müde, auf die drohende Gefahr hinzuweisen. Vor allen Wahlen ließ er Flugblätter drucken, die in allen Familien der Pfarrei verteilt wurden. Zur Wahl am 13. März 1932 z.B. schrieb er folgendes: „…Wir wählen Hindenburg, aber nicht Hitler, den Führer der Nationalsozialisten. Warum lehnen wir den Nationalsozialismus ab? – Weil sämtliche Bischöfe ihn ablehnen. Sie haben erklärt: Der Nationalsozialismus enthält Irrlehren, weil er wesentliche Lehrpunkte der katholischen Kirche ablehnt oder schief auffasst, und weil er nach der Erklärung seiner Führer eine neue Weltanschauung an Steile des christlichen Glaubens setzen will…“ ähnlich argumentierte er bei den übrigen Wahlen. Bei der letzten Wahl, am 5. März 1933, schrieb er noch: „Wählt christlich! Wir können unsere Glaubensgrundsätze nicht preisgeben! Wir können nicht anders wählen, als Nr. 6 (Bayerische Volkspartei) „. – Bei dieser Wahl erhielt Hitler in den Gemeinden der Pfarrei nur 28,4 % der Stimmen, während er, zusammen mit seinen Verbündeten, in Bayern auf 47,3 % der Stimmen kam. Es war zu erwarten, dass bei dieser Einstellung der Pfarrer, das Kloster und die ganze Pfarrei den Nazis ein Dorn im Auge waren. Anfangs hielten sie sich noch zurück, um die Bevölkerung nicht vor den Kopf zu stoßen. Immerhin hatte der Pfarrer auch wegen seiner sozialen Verdienste (ambulante Krankenpflege, Leichenhaus, Kindergarten) hohes Ansehen. Aber schließlich kam es zum Bruch. Anlass dazu war der Schulstreik, vom Mai 1936. Ohne vorhergehende Information an die Eltern und Lehrer sollten durch eine plötzliche Verordnung beide Schulen, Knaben und Mädchen, zusammengelegt werden. Sie waren 80 Jahre lang getrennt gewesen, wobei die Mädchen zur vollen Zufriedenheit der Eltern von den Schulschwestern geführt wurden. Aber eben dies sollte sich nach dem Wunsch der Regierung ändern.
Am 18./19. Mai schickten mehrere Eltern ihre Kinder nicht mehr zu Schule. Die Ortschaft Fernhag streikte geschlossen. Es kam zu einem scharfen Verhör mit der Gestapo, wobei diese, wie ein Beamter später verriet, das Urteil schon vorher in der Tasche hatte. Nach einigen Wochen musste ein ganzes Lastauto voller Angeklagten vor dem Landgericht in München erscheinen und wurde abgehandelt und mit Geldstrafen bis zu 200 RM belegt. Dabei fiel auch das Wort: „Die Zeiten sind vorbei, wo man das Volk nach seinen Wünschen fragt.“ Diesen Vorfall nahm man zum Anlass, um für den Pfarrer ein Unterrichtsverbot auszusprechen und die Oberin der Schulschwestern von der Schule zu entfernen, obwohl ihnen nicht die geringste Mitwirkung bei dem Schulstreik nachgewiesen werden konnte. Bald wurden die Schulschwestern, als „politisch Unzuverlässige“, ganz von der Schule entfernt. – Der Pfarrer Franz Schreyer wurde am 26. Oktober zum Abt gewählt, da der bisherige Abt Simon Landersdorfer zum Bischof von Passau ernannt worden war. In den Jahren 1936 bis 1939 nahm der Kampf der Nazi-Regierung gegen die Kirche, insbesondere gegen die Klöster, so heftige Formen an, dass man jeden Tag nicht nur mit der Schließung von Progymnasium und Internat, sondern auch mit der Aufhebung des Klosters rechnen musste. Es kam jedoch nur zur Aufhebung der Schule, die am 5. Febr. 1940 durch einen Erlass des Kultusministeriums endgültig geschlossen wurde. Da jedoch viele andere Klöster aufgehoben wurden, wie z. B. die österreichischen Benediktinerklöster, war einige Jahre hindurch Scheyern auch Gaststätte für viele auswärtige Patres.
In der Zwischenzeit war der Zweite Weltkrieg, 1939-45, ausgebrochen, der unendlich viel Leid in die Bevölkerung, in die Familien brachte, mit ihren Sorgen und ängsten um die Angehörigen, die im Felde standen, oder unter den verheerenden Bombenangriffen auf die Städte litten. Die ehemaligen Schul- und Seminarräume wurden zuerst von einer Zahlmeisterschule belegt. Bis 1943 wurden etwa 5600 Mann in 28 Kursen durchgeschleust. Am 1. Jan. 1944 übernahm das Laufgaukommando VII München die Gebäude, die sie kurz vor Kriegsende fluchtartig verließ. Gerade während dieser Zeit drohte die akute Gefahr, dass auch Scheyern bombardiert würde. Aber außer einer kurzen Beschießung mit MG-Feuer geschah nichts. Als am 29. April 1945 die Amerikaner erschienen, wurden sie nicht als Feinde, sondern als Befreier und Freunde begrüßt. Sie erklärten auch sofort, dass im Kloster nichts angetastet würde. Nach dem Krieg begann ein zäher und langsamer Wiederaufbau. Für die Bevölkerung waren es noch Jahre des bangen Wartens auf die Angehörigen, die sich in Kriegsgefangenschaft befanden, von denen dann um 1950 die meisten, soweit sie noch lebten, heimgekehrt waren.

übernommen aus:
Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und
Hofmark Scheyern Band II Scheyern – Ost