Plöcking

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Geschichte von Plöcking nach P. Anselm

Plöcking: Der Name kommt von „blecken“, „blechen“, „blicken“, was so viel bedeutet, wie sichtbar machen, oder weithin „blicken“, sichtbar sein. Dies trifft auch für die Siedlung Plöcking zu, die auf einem Hügel gelegen, weithin sichtbar ist.

Um 1300 wird es geschrieben „Pleching“, 1339 „Plekkingen“, 1400 „Plecking“ und bereits 1500″Plöcking“.

Ortsgeschichte
Der Ort taucht in den Scheyerer Steuerbüchern erst um 1300 auf, sofort mit neun Lehen, von denen jedes 20 Pfennige jährlich zu entrichten hat. Um die gleiche Zeit entstanden auch die Siedlungen Nöbach und Holzried. Den Namen nach zu schließen, waren die Besitzer Handwerker oder Holzarbeiter, die gegen Entlöhnung verpflichtet waren, dauernd oder gelegentlich auf dem Prielhof mitzuarbeiten. Dies alles geschah im Rahmen einer allgemeinen Planung, in der Nähe des Klosters Scheyern, aber doch noch genügend weit entfernt davon, Siedlungen für die Angestellten des Klosters zu schaffen. Auf diese Weise entstanden, neben Plöcking, die Siedlungen Holzried, Fernhag und Nöbach (= Ziegelnöbach). In Nöbach wird eigens erwähnt, daß es sich um die Aufteilung eines Hofes handelte. Bei Holzried deuten schon der Name darauf hin, daß der Ort durch Rodung entstanden ist.

Bei unseren Lehen in Plöcking handelt es sich um „kleine Lehen“, von denen jedes gegen Ende des 15. Jahrhunderts etwa 6 Joch (= 12 Tagwerk) Ackerland besaß. Die Abgabe dafür hielt sich bis um 1480 auf der gleichen Höhe von 20 Pfennigen jährlich. Durch die allgemeine Inflationsrate wurde sie dann auf 60 Pfennige erhöht.

Das Plöcking von Anfang durch eine Rodung, und nicht durch Aufteilung eines Hofes entstanden ist, geht aus verschiedenen Hinweisen hervor.

– Im Gegensatz zu Nöhbach (= Ziegelnöbach) ist von keiner Aufteilung eines Hofes die Rede.
– Während wir bei den anderen Orten über die Herkunft, bzw. Übergabe, genau informiert sind, fehlt bei Plöcking – und auch bei Holzried – jegliche Andeutung einer Schenkung oder Übergabe.

Es lassen sich folgende Namen für die ersten Jahrzehnte feststellen:

1339 1347 1349 1353 1363
Sellam – Weber Weber Weber
Anizzo – Grabel Albertus Chippel
Lehen – Chunrad Schneider Chunrad Schneider Alt Weber
Schneider Stellmacher Stellmacher Marstaller Hans Stellmacher
Raehlin Roechlin Roechlin Kohel Alt Chohel
Holzhauser Holzhauser Holzhauser Holzhusen Holzhuser
Schuerpfer Schurfferin Schurfflin Geislen Frau–
Zecho und Zecho und Zacho und Zäho Zaho und
Polinus Ponlinus Ponlinus und Ponel Sebastian Ponlein

Plöcking im 14. und 15. Jahrhundert
Unsere Siedlung wurde um 1300 durch Rodung als eine Handwerkersiedlung gegründet. Jedes Anwesen hatte soviel Grund und Boden, um notdürftig eine kleine Familie ernähren zu können. Zum vollen Unterhalt war ein zusätzlicher Verdienst notwendig. Deshalb betrieben die einzelnen Besitzer noch ein Handwerk und gingen zur „Hofarbeit“. Obwohl diese entlohnt wurde, war sie – wie aus den Beleitumständen hervorgeht – nicht besonders begehrt. Deshalb suchte man einen zusätzlichen Anreiz dadurch zu schaffen, daß die „Hofarbeiter“ weniger Abgaben zu entrichten hatten. So hatte sich die normale jährliche Gilt bis um 1500 von 20 Pfennige auf 60 Pfennige erhöht, „wenn er die Hofarbeit verrichtet“. Wenn er aber nicht zur Hofarbeit ging, betrug die jährliche Gilt 1 Pfund Pfennige, das heißt 240 Pfennige.

Diese Erhöhung wurde hervorgerufen durch die allgemeine Inflationsrate, aber auch durch den Umstand, daß viele ihre ursprüngliche Verpflichtung nicht mehr einhielten und nicht mehr „zur Hofarbeit“ gingen.

Dem wachsenden „Wohlstand“ entsprechend hatte sich um 1500 eine anspruchsvollere Wohnweise durchgesetzt. Es wurden „Zimmer“ errichtet. Dies ist wohl so zu verstehen, daß man daran ging, zusätzliche Wohn- oder Schlafzimmer zur errichten, die dann eigens versteuert wurden.

Die Zahl der Anwesen blieb stets gleich. Sie hat sich im wesentlichen auch bis in die Gegenwart nicht geändert.

Plöcking bis zur Säkularisation
Bis um 1500 hatte jedes Anwesen neben der „Hofstatt“ und einem „Paumgarten“ noch 2 Joch (= 4 Tagwerk) Ackerland gegen den Washof zu. Zusätzlich besaßen alle „Lechner“ zwei Holzmarken, eine gegen den Washof, die andere gegen den „Augraben“, jede 6 bis 7 Joch groß.

Im 16. Jahrhundert begann jedoch ein reger Handel mit Grundstücken. Die einzelnen Besitzer kauften und verkauften Grundstücke, meist zu bedeutend höheren Preisen als die „Stiftgebühr“ betrug, die sie an das Kloster, als dem rechtlichen Eigentümer, entrichten mußten. Dadurch wurde das Gefühl der Eigenverantwortlichkeit gehoben.

Im Dreißigjährigen Krieg, insbesondere um das Jahr 1633/1634 wurden alle Anwesen verlassen und verödet. Erst 1636 getrauten sich die Besitzer wieder, ihre Anwesen zu bewohnen. Bei der Steuererhebung um 1773 wurden fast alle Anwesen in der Größe von 1/16 Hof eingestuft, nur das Anwesen Nr. 7, Seitz, war 1/8 Hof.

Plöcking bis zur Gegenwart
Auch im 19. und 20. Jahrhundert blieb der Ort seiner Tradition treu. Es änderte sich nur wenig. Nur wurden 1876 die beiden Anwesen Nr. 4, Hoisl, und Nr. 7, Seitz vereinigt.

Übersicht
Bereits für die Jahre 1339 bis 1363 sind in der Ortsgeschichte die Namen der einzelnen Besitzer angeführt. Erst um 1413 sind uns weitere überliefert.

1413 1415 1417 1420
Weber Weber Weber Weber
Keck Jörg– Hansl Taler Hansl Taler
Rüdl Sippl Gugenhauser Gugenhauser Schiterl
Peter Schneider Contz Weblinger Contz Weblinger Weblinger/Jorg Weber
Hannrich Sippl Haintz Sippl Haintz Sippl Haintz Sippl
Schuperger Hainz Hermann Herman
Ullrich Ostermair Ostermair Ostermair Ostermair
Mertl Holzhauß Mertl Mertl Schitperger Mertl
Würstl Würstl Würstl Würstl

Wie diese Übersicht zeigt, haben die Besitzer oft gewechselt. Auch ist nicht gesagt, daß der „Weber“, der an erster Stelle genannt wird, immer der gleiche war und in dem gleichen Haus sein Handwerk betrieb. Auch ist es für das erste Jahrhundert noch nicht möglich, die einzelnen Namen bestimmten Häusern zuzuordnen. Dies gelingt erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Um eine gewisse Ordnung zu schaffen, wurden die einzelnen Lehen kurz vor 1500 nummeriert.

Abgaben:
Um 1300 Pleching, jedes zahlt 20 Pfennige, von diesen entrichten zwei ihre Abgaben an die „Oblai“, d.h. an den Konvent.

Jedes Lehen hat für eine Übergabe bereitzuhalten 1 halbes Mitl Hafer.

(KL 54, 22)
14. Jahrhundert Jedes Lehen zahlt jährlich 20 Pfennige; mit folgenden zusätzlichen Abgaben, Abänderungen:

Zecho und Ponlinus zahlen an die Oblai, d.h. an den Konvent
1347, 1349, 1353 Holzhauser gibt von einem Acker 6 Hiener;
1363, Holzhauser gibt von einem Acker 14 Pfennige; (KL 77)

1413 – 1420 jedes der 9 Lehen zahlt jährlich 20 Pfennige. Es ist noch nicht möglich, die überlieferten Namen der Besitzer bestimmten Lehen zuzuordnen. Dies gelingt erst ab 1436.

Vom Jahre 1490 existiert eine Grundbeschreibung ( KL 115, 3 ff), die uns genau Aufschluß gibt über die Größe der einzelnen Anwesen. Alle sind sie noch fast völlig gleich groß. Darum genügt es nur ein Beispiel anzuführen:

Six: Im Veld gen Mitterscheyrn, 2 Joch; im Veld gen Niderscheyrn 2 Joch im Veld gen Washof 2 Joch; Hofstatt und Paumgarten;
………..
Ebenso, die Lechner alle miteinander haben zwei Holzmarken, eine hinab gen Washof, die andere herüber gen dem Augraben, alle vielleicht 6 oder 7 Joch. (KL 115, 3 ff)

Auch von der Steueranlage, 1507 (KL 19 2/2, 15) sei ein Bespiel angeführt:
Matheis Schleicher, hat 1 Rcß für 4 Pfund Pfennige, 1 Kuh für 2 Gulden, 2 Kälber und 1 Ferkel, alles für 1 Pfund Pfennige, 2 Ymbt (Bienenstücke) für 6 Schillinge, Fahrnis 60 Pfennige, Zimmer und „Gunst“ 12 Pfund Pfennige.

Während alle Anwesen noch 1486 jährlich 20 Pfennige zu entrichten hatten, trat mit dem Jahre 1487 eine sprunghafte Erhöhung auf 60 Pfennige ein. Chuntz Weber, der bereits ab 1466 1/2 Pfund ( = 120 Pfennige) abgeben mußte, wurde zunächst verschont und brauchte weiterhin nur 120 Pfennige zahlen. Der Grund dafür lag in der allgemeinen Inflationsrate.

Ab 1525 wurde unterschieden, ob der Besitzer zur Hofarbeit geht oder nicht. Wenn er „arbeitete“, brauchte er auch weiterhin nur 60 Pfennige hergeben, sonst erhöhte sich die Abgabe auf 1 Pfund Pfennige im Jahr. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde nicht mehr unterschieden, ob einer auf dem Hof arbeitete oder nicht. Die jährliche durchschnittliche Abgabe betrug um 1671 etwa 2 Gulden ( = 420 Pfennige). So blieb es bis zur Aufhebung des Klosters im Jahre 1803.

Im Jahre 1876 wurden das 7. und 9. Lehen (Hoisl und Seiz) zum „Seiz“-Anwesen vereinigt; und 1885 wurde des 2. Lehen (Peter) auf das 4. Lehen (Girgl) übertragen. Auf diese Weise bestanden dann nur mehr 7 Anwesen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde um 1950 ein neues Anwesen Nr. 1, etwas abseits von den übrigen, erstellt.

Haus Nr. Lehen Nr. Hausname Besitzer 1979
1 (neu) — — Kreszenz Reisner
1 (1800) 2. Lehen Peter 1881: Paul Stegmayr
2 4. Lehen Girgl Josef Huber
3 8. Lehen Hannerl Ludwig Fuchs
4 9. Lehen ( Hoisl Josef Frauenholz
( 1876 vereinigt
7. Lehen ( Seitz “ “
5 5. Lehen Brandl Georg Ostermeier
6 6. Lehen Fenz Hermann Boniberger
8 3. Lehen Karl Michael Schrätzenstaller
9 1. Lehen Lenz Rudolf Reischl

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Plöcking um 1860 Plöcking um 1980

Übernommen aus: Haus- und Familiengeschichte der Pfarrei und Hofmark Scheyern Band II Scheyern – Ost